Sammelanmeldung oder Individualanmeldung?

Im Insolvenzverfahrens der Lehman Brothers Holdings Inc. hat nun die Dresdner Bank (mittlerweile eine Marke der Commerzbank AG) ein Rundscheiben verfasst, indem Sie die bei Ihr betroffenen Lehman-Anleger dazu auffordert, einer sogenannten "Sammelanmeldung" bis zum 02.10.2009 zu widersprechen, sofern diese nicht erwünscht ist.

Die Dresdner Bank stellt in diesem Schreiben zwei Alternativen zur Verfügung:

Zum einen besteht für die Anleger die Möglichkeit einer Sammelanmeldung über die Dresdner Bank durchzuführen, die zweite Alternative ist die individuelle Anmeldung der einzelnen Anleger im Insolvenzverfahren der Lehman Brothers Holdings Inc.

Die Rechtsanwaltskanzlei KWAG hat für die von ihr vertretenen Mandanten die Vor- und Nachteile der Sammelanmeldung geprüft. Hierzu folgendes:

I. Die wesentlichen Vorteile der Sammelanmeldung sind:

  • Die Sammelanmeldung soll den Anleger kein weiteres Geld kosten.
  • Die Daten der Anleger sollen anonym bleiben. (Üblicherweise werden die übermittelten Daten zur Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren in Amerika veröffentlicht. Dies ist für Lehman Brothers Holdings Inc. bereits zum Teil geschehen: Die jeweiligen Forderungsanmeldungen sind öffentlich im Internet einsehbar.) Von der Dresdner Bank wird allerdings nicht ausgeschlossen, dass im weiteren Insolvenzverfahren der der Lehman Brothers Holdings Inc. die Daten der Sammelanmeldung zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden müssen. Die Dresdner Bank hält dies zwar für unwahrscheinlich; die Kanzlei KWAG kann dies allerdings nicht ausschließen.

II. Die Wesentlichen Nachteile der Sammelanmeldung:

  • Die Dresdner Bank teilt nicht mit, in welcher Höhe die Anmeldung der Forderung erfolgen wird. Die Dresdner Bank spricht lediglich von einem “angemessenen“ Betrag. Wie hoch dieser Betrag tatsächlich sein soll, wurde von der Dresdner Bank nicht mitgeteilt. Diesbezüglich besteht demnach Unsicherheit.
  • Die Dresdner Bank übernimmt keine Haftung für Fehler bei der Anmeldung.
  • Weitere Maßnahmen im Insolvenzverfahren der Lehman Brothers Holdings Inc. will die Dresdner Bank offensichtlich nicht vornehmen (z. B. möglicherweise notwendige Klärungen des jeweiligen Anspruches mit dem Insolvenzgericht oder dem Insolvenzverwalter, sofern es zu Problemen kommt). Zumindest teilt sie dies in ihrem Schreiben mit. Sollte es also nach Durchführung der Sammelanmeldung zu Problemen kommen, müssten sich dann offensichtlich die Teilnehmer der Sammelanmeldung selbständig um die weitere Klärung kümmern.

Insgesamt stellt die Kanzlei KWAG damit fest:

Die Sammelanmeldung über die Dresdner Bank kostet den Anlegern zwar kein Geld und erfolgt im Gegensatz zur Individualanmeldung anonym. Aber nach Ansicht der Kanzlei KWAG gewährleistet die Sammelanmeldung über die Dresdner Bank in der dargestellten Form keine korrekte Anmeldung der Insolvenzforderung. Eine Haftung für möglicherweise auftretende Fehler bei der Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren übernimmt die Dresdner Bank zudem auch nicht.

Die Kanzlei KWAG rät daher den Betroffenen Lehman-Anleger zu folgendem Vorgehen:

Sofern der jeweilige Lehman-Anleger lediglich daran interessiert ist, der Dresdner Bank in einer möglichen rechtlichen Auseinandersetzung mit der Dresdner Bank wegen der Verluste bei Erwerb der Lehman Brothers-Zertifikate den Einwand abzuschneiden, der Anleger hätte sich nicht um eine Minimierung des entstandenen Schadens bemüht, dürfte die Teilnahme einer Sammelanmeldung ausreichend sein. Zu beachten ist aber, dass aufgrund der bislang bekannten Darstellung der Dresdner Bank nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Anmeldung durch die Dresdner Bank fehlerhaft durchgeführt wird und der Anleger dann weder im Insolvenzverfahren der Lehman Brothers Holdings Inc. eine Quote erhält, noch einen Ersatz für diese entgangene Quote von der Dresdner Bank verlangen könnte (Haftungsausschluss im Schreiben der Dresdner Bank).

Sofern der Lehman-Anleger daher eine bestmögliche Anmeldung seiner Forderung wünscht, sollte der Anleger versuchen, die dargestellten Problempunkte mit der Bank zu klären. Die Kanzlei KWAG geht allerdings davon aus, dass sich die Dresdner Bank hier leider nicht auf individuelle Absprachen einlassen wird. In diesem Fall sollte der Anleger dann nicht an der vorgeschlagenen “Sammelanmeldung“ teilnehmen. Stattdessen sollte der Lehman-Anleger eine Individualanmeldung vornehmen oder vornehmen lassen, wenn gleich dies im Gegensatz zur Sammelanmeldung neben der Entstehung weiterer Kosten aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer Veröffentlichung der Forderungsanmeldung führt.

Die Kanzlei KWAG führt selbständig Forderungsanmeldungen für die Geschädigten Lehman-Brothers-Anleger durch. Die Kanzlei wird ihre Mandanten auch bei Komplikationen im Rahmen des Insolvenzverfahrens der Lehman Brothers Holdings Inc. in Amerika unterstützen. Zudem überwacht sie für sämtliche Mandanten und Interessenten die jeweils relevanten Insolvenzverfahren der Lehman Brothers-Firmengruppe, insbesondere Lehman Brothers Treasury Co. B. V. und der Lehman Brothers Securities N. V..

Die Kanzlei KWAG - Kanzlei für Wirtschaft und Anlagerecht Ahrens und Gieschen vertritt mehrere hundert geschädigte Lehman Brothers-Anleger. Sie vertritt diese Mandanten auf Wunsch auch im Rahmen der Insolvenzverfahren der Lehman Brothers Treasury Co. B. V. und der Lehman Brothers Holdings Inc.

Ansprechpartner der KWAG:

  1. Jan-Henning Ahrens, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

  2. Alexander von Vietinghoff-Scheel, Rechtsanwalt

  3. Constantin Wesser, Rechtsanwalt