Dresdner Bank / Zertifikate „Dichtung und Wahrheit“

Pressemitteilung vom 2.4.2009

Seit der Finanzkrise kursieren immer neue Horrormeldungen über sogenannte „Finanzprodukte“, zu denen auch Zertifikate zu zählen sind, im bezogen auf über den Tisch gezogene Anleger. Insbesondere im Hinblick auf die insolvente US-amerikanische Investment Bank „Lehman-Brothers“ hat sich herausgestellt, dass tausende Anleger von den deutschen Banken, die beraten haben, höchstwahrscheinlich schlecht bzw. gar nicht über die Risiken der Zertifikate aufgeklärt worden sind.

KWAG Rechtsanwälte mit Kanzleisitzen in Bremen und Hamburg vertreten inzwischen über fünfhundert geschädigte Zertifikate- Anleger, nicht nur solche der o. g. „Lehman-Brothers“. Laut RA Jan-Henning Ahrens hat sich bei der Prüfung der überlassenen Unterlagen herausgestellt, dass eine Vielzahl namhafter Kreditinstitute, so z. B. die Dresdner Bank, Zertifikate emittiert haben, die sie offensichtlich selbst für derart risikobehaftet gehalten haben, dass für die Beschreibung dieser Wertpapiere in einem Nachtrag zu einem Basisprospekt dutzende Seiten von Papier erforderlich sind.

Rechtsanwalt Ahrens von KWAG:

„Uns liegt ein Dokument der Dresdner Bank AG aus Frankfurt vor, welches mit der Überschrift „Endgültige Bedingungen“ vom 12.02.2007 über das Dresdner Global Champion II Zertifikat versehen ist. Bei diesem Zertifikat handelt es sich um ein sogenanntes Indexzertifikat. Das heißt, der Anleger wettet mit dem Kauf des Zertifikates auf den Verlauf dreier Aktienindizes, nämlich in diesem Fall des Dow Jones Euro Stoxx 50, den Nikkei 225 und S&P 500 Index. Wir haben bereits als eine der ersten Kanzleien im Oktober darauf hingewiesen, dass Zertifikate für Anleger erhebliche, unüberschaubare Risiken in sich bergen. Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass es sich bei den meisten Zertifikaten um Wetten auf bestimmte Ereignisse handelt, die weder der Emittent noch die vermittelnde Bank und erst recht nicht der Anleger vorhersagen können, sind diese Zertifikate als „Zockerpapiere“ zu qualifizieren, so Ahrens weiter.

Bemerkenswert ist, dass die Dresdner Bank auf 41 Seiten des o. g. „Nachtrags“ zu dem Basisprospekt auf nahezu alle Risiken hinweist, die im Hinblick auf den Erwerb dieser Zertifikate bestehen. So wird beispielsweise ausgeführt: „Aufgrund des spekulativen Charakters der Zertifikate sollten nur solche Finanzmittel investiert werden, deren Verlust ein Investor im Hinblick auf seine Gesamtvermögenssituation vertreten kann.“

Hätten die Berater den Anlegern dies gesagt, behauptet Ahrens, hätten wohl die wenigsten Anleger  die Zertifikate erworben.
 
In dem insgesamt 41 Seiten starken Papier finden sich weitere ebenso zutreffende Risikohinweise wie der vorgenannte. Der Haken dabei:

„Dieses Papier ist in keinem der uns bekannten Fälle dem Anleger ausgehändigt worden, bevor dieser seine Anlageentscheidung treffen konnte.“ sagt Ahrens.

Was folgt daraus? Offensichtlich hat die Dresdner Bank die Risiken sehr wohl erkannt. Sie hat sogar aus der Zentrale in Frankfurt einen entsprechenden Nachtrag angefertigt, weil sie offensichtlich den Basisprospekt hinsichtlich der dort enthaltenen Aussagen betreffend das o. g. Zertifikat für nicht ausreichend gehalten hat. Bemerkenswert ist, dass nahezu allen in der Kanzlei KWAG bekannten Fällen keine Verkaufsunterlagen, nicht einmal ein Werbeflyer, geschweige denn ein Emissionsprospekt oder der hier beschriebene Nachtrag, den Anlegern ausgehändigt worden sind.

Nach Auffassung von Rechtsanwalt Ahrens dürfte das Vorhandsein dieses Nachtrages den  Anlegern, die das o. g. Zertifikat erworben haben und denen vor der Zeichnung ein solcher Nachtrag nicht überreicht wurde und denen auch mündlich derartige Informationen nicht gegeben worden sind, sehr gute Chancen geben, die Falschberatung nachzuweisen. In diesem Zusammenhang erklärt Rechtsanwalt Ahrens nochmals eindringlich, alle Zertifikate-Inhaber können Ansprüche gegenüber der vermittelnden Bank auf Schadensersatz  geltend machen, sofern sie beweisen können, nicht anleger- und anlagegerecht beraten worden zu sein. Aus dem vorliegenden Papier wird deutlich, welche Risiken die Dresdner Bank im Zusammenhang mit dem vorgenannten Zertifikat erkannt hatte. Gleichwohl sind diese Risiken in den hier bekannten Fällen nicht kommuniziert worden. Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die Finanzberatungsbranche. Offensichtlich sind Risiken nicht nur erkannt, sondern für derart schwerwiegend gehalten worden, dass die Dresdner Bank es für erforderlich gehalten hat, ein derart umfassendes Papier zu erstellen, resümiert Rechtsanwalt Ahrens. Gleichwohl hat man den Anlegern in den allermeisten Fällen diese Aufklärung nicht zuteil werden lassen.

Der Nachtrag bezieht sich zwar ausdrücklich auf das Dresdner Global Champion II Zertifikat, ist aber im Hinblick auf die beschriebenen Risiken zu großen Teilen auf alle Indexzertifikate übertragbar. Dieses Papier zeigt deutlich, welche Risiken in dem Erwerb von Zertifikaten liegen. Insbesondere wird deutlich, dass sich derartige Finanzprodukte nur für den versierten Anleger eignen und mit Sicherheit nicht für jemanden, der zuvor ausschließlich Kapitalanlagen besaß, bei denen der Kapitalerhalt im Vordergrund stand oder der nur in sichere Anlagen investieren wollte. Angesichts der KWAG vorliegenden Unterlagen dürfte im Hinblick auf die von der Bundesregierung beabsichtigten Gesetzesänderungen bei der Beweislastverteilung in Zukunft der Beweis richtig beraten zu haben, durch die Bank nur noch schwerlich zu führen sein. Das Papier zeigt aber auch deutlich, dass richtige Beratung möglich ist. Man muss sie den Anlegern gegenüber nur praktizieren.

jha/jpg 2.4.2009