Offene Immobilienfonds: Der Gesetzgeber macht Ernst.

Rund 80 Milliarden Euro haben Anleger in Deutschland den Offenen Immobilienfonds anvertraut. Diese früher als äußerst sicher geltende Anlageform steckt aber seit Jahren in der Krise. Derzeit werden elf Fonds im Gegenwert von rund 18,3 Milliarden Euro Schritt für Schritt und deshalb angeblich Markt schonend aufgelöst. Vier Fonds mit knapp 1,7 Milliarden Euro investiertem Kapital sind eingefroren. Möglicherweise gehen auch bei diesen Offenen Immobilienfonds früher oder später die Lichter aus. Jetzt macht der Gesetzgeber Ernst, nimmt die Anbieter Offener Immobilienfonds und auch Anleger an eine spürbar kürzere Leine.

Die gesetzlichen Regeln, vom Finanzausschuss des Deutschen Bundestags abgesegnet, sollen wie folgt ausschauen:

·Anleger in Offenen Immobilienfonds müssen ihre Anteile künftig mindestens 24 Monate lang im Depot halten.

·Der Verkauf von Anteilen an Offenen Immobilienfonds ist nur mit einer Kündigungsfrist von zwölf Monaten möglich.

·Dies bedeutet: Wer heute einen Verkaufsauftrag für Anteile an einem Offenen Immobilienfonds gibt, erhält erst in zwölf Monaten den Verkaufserlös gutgeschrieben.

·Die Freigrenze beim Verkaufserlös in Höhe von 30.000 Euro pro Halbjahr soll wegfallen. Diese war vom Gesetzgeber eingeführt worden zum 1. Januar 2013 für alle Anleger, die ab diesem Zeitpunkt Anteile an Offenen Immobilienfonds gekauft haben.

Die Stichtags-bezogene Beschränkung der Ausgabe und Rücknahme von Anteilen an Offenen Immobilienfonds soll es nicht geben.

Für Zehntausende Privatanleger „ist die Krise der Offenen Immobilienfonds eine einzige Katastrophe. Denn fast jeder von ihnen hat in Offene Immobilienfonds investiert, weil Anlageberater diese als extrem sicher und deshalb bestens geeignet für die private Altersvorsorge verkauft haben“, sagt Jens-Peter Gieschen, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht sowie KWAG-Partner. Und fährt fort: „Erfahrungsgemäß gerät die private Altersvorsorge-Strategie völlig aus den Fugen, wenn man mit seiner Anlage in Offenen Immobilienfonds mehr oder weniger große Verluste macht oder aber eine Zeitlang nicht an sein Geld herankommt.“

Gieschens dringende Empfehlung: „Investoren in Offenen Immobilienfonds sollten zumindest mögliche Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Anlageberatung prüfen lassen, um finanzielle Nachteile oder sogar Vermögenseinbußen zu begrenzen bzw. zu vermeiden.“

Tabelle 1

Offene Immobilienfonds, die noch geöffnet sind

Deka-ImmobilienfondsEuropa

hausinvest

UniImmo: Deutschland

UniImmo: Europa

WestInvest InterSelect

grundbesitz Europa

Deka-ImmobilienGlobal

grundbesitz-global

Immo-Invest: Europa

UBS (D) Euroinvest Immobilien

UniImmo: Global

WestInvest ImmoValue

Aachener Grund-Fonds Nr. 1

Inter ImmoProfil

Warburg-Henderson Deutschland Fonds Nr. 1

Aachener Spar- und Stiftungs-Fonds

UniInstitutional German Real Estate

ImmoWert

CS-WV Immofonds

Tabelle 2

Offene Immobilienfonds, die eingefroren sind

SEB ImmoPortfolio Target Return Fund

KanAm SPEZIAL grundinvest Fonds

CS Property Dynamic

SEB Global Property Fund

Tabelle 3

Offene Immobilienfonds, die aufgelöst werden

CS Euroreal A

SEB ImmoInvest

KanAm grundinvest Fonds

AXA immoselect

DEGI International

DEGI Europa

UBS (D) 3 Sector Real Estate Europe

AXA Immosolutions

HANSAimmobilia

DEGI German Business

DEGI Global Business

Stand: Ende April 2013; Quelle: BVI