Insolvenzverfahren über Securenta AG eröffnet

Anwalt: "Einige Anleger von Nachschusspflicht betroffen."

Bremen / Göttingen. Anleger sollten auf keinen Fall weiter Zahlungen auf Konten der Göttinger Gruppe leisten. Wie Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von der auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Kanzlei KTAG in Bremen mitteilte, habe ein ausführliches Gespräch mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Rolf Rattunde in Berlin ergeben, dass er nach derzeitiger Einschätzung von einer grundsätzlichen Inanspruchnahme der Anleger absehen will. Ahrens: "Allerdings muss dabei zwischen verschiedenen Typen von Anlegern unterschieden werden, so dass eine endgültige Auskunft erst nach einer weiteren Prüfung und der Erstellung des Gutachtens für das Insolvenzgericht erfolgen kann." Das werde in etwa zwei Wochen der Fall sein.

Nach Ansicht von Rechtsanwalt Ahrens könnten etwaige Nachschussforderungen aber durch die Aufrechnung mit Schadenersatzansprüchen gegen die Securenta AG / Göttinger Gruppe abgewehrt werden.

Rattunde habe zugesagt, angesichts dessen, dass die überwiegende Anzahl der Anleger die Anlage in die Securenta AG als zusätzliche Altervorsorge getätigt hätten und dadurch jetzt erhebliche Einbußen befürchten müssten, er möglichst kurzfristig Antworten auf die dringendsten Fragen geben wolle.

Laut Ahrens ist der Großteil des noch vorhandenen Immobilienvermögens mit Hypotheken und Grundschulden belastet, so dass auch bei einer Veräußerung des Immobilienvermögens nicht mit einer umfangreichen Befriedigung der Gläubiger gerechnet werden kann.

KTAG vertritt mehrere hundert Geschädigte der Göttinger Gruppe und hatte schon bei bekannt werden des Insolvenzantrags am 7. Juni darauf hingewiesen, dass die betroffenen Anleger ihre Zahlungen einstellen sollten.

Der Finanzkonzern soll seit Anfang der neunziger Jahre bei mehr als 100.000 Sparern eine Anlagesumme von umgerechnet gut einer Milliarde Euro eingesammelt haben. Die Göttinger Gruppe ist wegen mehrerer hundert Klagen geschädigter Anleger schon wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Sie war mit dem Tochterunternehmen Securenta seinerzeit bundesweit der größte Anbieter von staatlich geförderten, so genannten atypischen stillen Beteiligungen. Das Anlagemodell der Unternehmensbeteiligungen wurde vor allem als Altersvorsorge angeboten. Es brachte den Anlegern aber häufig nur Verluste.

Im Insolvenzverfahren des Finanzkonzerns ist noch unklar, welches Gericht zuständig ist. Sowohl in Göttingen, als auch in Berlin wurden Insolvenzanträge für die Securenta AG und Tochtergesellschaften eingereicht. Die beiden Gerichte müssen nun anhand der Kriterien des Insolvenzrechts klären, wer das Verfahren weiterführe. Beide Amtsgerichte hatten am vergangenen Freitag vorläufige Insolvenzverwalter bestellt.

Das Amtsgericht Göttingen hat zudem bereits am Donnerstag (14. Juni 2007) das Insolvenzverfahren über das Vermögen der zur Göttinger Gruppe gehörenden Securenta AG eröffnet. Zum Insolvenzverwalter ist laut Ahrens der Hamburger Steuerberater Peter Knöpfel ernannt worden.

Knöpfel habe die Zahlungsunfähigkeit der Securenta AG festgestellt. Das Unternehmen hatte am Tag nach Einleitung des Insolvenzverfahrens durch das Gericht selbst Insolvenzantrag in Berlin gestellt. Offensichtlich habe es aber zwischen den beteiligten Gerichten keinen Informationsaustausch gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt bereits seit Monaten gegen die Göttinger Gruppe wegen Insolvenzverschleppung, außerdem sind jetzt Verfahren gegen Verantwortliche des Finanzkonzerns wegen Betrugs und Anlagenbetrugs eingeleitet worden.

Die Securenta AG soll von rund 100 000 Sparern mehr als eine Milliarde Euro eingesammelt haben. Sie hatte vor allem über Strukturvertriebe so genannte atypische stille Beteiligungen als sichere Altersvorsorge verkauft.

Forderungen gegen die Göttinger Gruppe müssen laut Ahrens nun an die Insolvenzverwalter gerichtet werden. Für September sei eine Gläubigerversammlung geplant.