KWAG-INFO: Widerruf von Lebens- und Rentenversicherungen

Wie Sie sich aus teuren Verträgen ohne Verlust lösen können, erläutert Ihnen KWAG-Rechtsanwalt Steven Selvanayagam.

 

Immer mehr Versicherungsnehmer widerrufen erfolgreich Ihren Lebens- oder Rentenversicherungsvertrag. Das ist in vielen Fällen die profitablere Alternative zur Kündigung oder einem Verkauf der Police. Beim Widerruf kommt es nicht darauf an, welches Lebensversicherungsmodel Sie besitzen oder ob Zusatzleistungen enthalten sind, etwa Todesfall- oder Berufsunfähigkeitsschutz.

Der Widerruf eines Lebensversicherungsvertrags ist anders als beim Darlehenswiderruf nicht zeitlich begrenzt. Betroffen sind Lebensversicherungen, die in von Ende Juli 1994 bis zum 31. Dezember 2007 abgeschlossen wurden.

Mini-Zinsen machen es Lebensversicherern und Kunden schwer

Mehr als hundert Millionen Lebens- und Rentenversicherungen wurden deutschlandweit in den letzten Jahrzehnten abgeschlossen. Wegen der geringen Verzinsung ist ein großer Teil derzeit nicht mehr lukrativ. Viele Kunden stellen nun fest, dass sie seinerzeit ein Produkt erhalten haben, das nicht auf Sie persönlich zugeschnitten war und das auch in Zukunft keine nennenswerten wirtschaftlichen Erträge bringen wird.

Gleichzeitig bieten Versicherungsunternehmen wie die Allianz, Axa und Züricher Versicherten mit Verträgen aus den Jahren 2001 bis 2011 weniger Garantierente. So sollen Verzinsungen von Rentenversicherungen bis auf 1,75 Prozent gedrückt werden. Das kann dazu führen, dass Kunden monatlich bis zu 14 Prozent weniger Rente ausgezahlt werden wird.

Warum ein Widerruf oft lukrativ ist

Der Vorteil liegt darin, dass der Vertrag rückabgewickelt wird. In der Konsequenz heißt das, alle geleisteten Beiträge werden in voller Höhe zurückgezahlt. Auch Bearbeitungsgebühr und andere Nebenkosten gehen nicht zu Lasten des Versicherungsnehmers. Darüber hinaus ist es sogar möglich, Nutzungsersatz zu bekommen. Denn dem Versicherungsnehmer steht auch die sogenannte „Nutzung“ zu. Also Zinsen, Rendite oder Gewinne, die durch die Versicherungsprämien erzielt wurden. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom November 2015 ist der Versicherungsnehmer allerdings beweispflichtig, dass das Kapital vom Versicherungsgeber „gewinnbringend“ genutzt wurde.

Die Berechnung ist komplex. Dafür wird der jährliche Gewinn des Versicherers ermittelt, mit dem ein Teil der vom Versicherungsnehmer gezahlten Prämien verzinst wird. Auch die Verzinsung der Sparanteile muss ermittelt werden. Die Addition der jährlich errechneten Verzinsungen über die gesamte bisherige Laufzeit ergibt dann in Summe die Gesamtentschädigung, auf deren Auszahlung Versicherte Anspruch haben. Bis zum Urteil des BGH hatte man den „Nutzen“ pauschal bemessen.

Wann sich ein Widerruf lohnt

Die Grundregel: Je jünger der Vertrag, desto eher lohnt sich die Prüfung eines Widerrufs. Davon dürften vor allem Verträge aus den Jahren 2005 bis 2007 betroffen sein, die nicht mehr unter das Privileg der Steuerfreiheit fallen. Außerdem spricht für einen Widerruf, dass keine sehr weit fortgeschrittene Laufzeit vorliegt und die eingezahlten Beiträge noch über den aktuellen Rückkaufwert liegen dürften.

Auch bei steuerlich privilegierten Versicherungsnehmern werden in vielen Fällen die eingezahlten Beiträge über dem aktuellen Vertragswert liegen. Sollten Sie allerdings bereits die „Gewinnzone“ erreicht haben, dürfte ein Widerruf nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein.

Was Versicherer einbehalten dürfen

Der Rückkaufswert kann abgezogen werden, sofern der Vertrag bereits beendet wurde und der Versicherungsnehmer den Rückkaufswert erhalten hat. Auch Risikoanteile dürfen vom Versicherer abgezogen werden. Das sind die Kosten, die für den Versicherungsschutz innerhalb der Laufzeit angefallen sind. Hierzu gehören Todesfall- und Berufsunfähigkeits- schutz, sofern sie an die Lebensversicherung geknüpft sind. Auch die Kapitalertragssteuer und der Solidaritätszuschlag werden abgezogen. Wenn es sich um eine fondsgebundene Lebensversicherung handelt und die Fonds Verluste eingefahren haben, können diese ebenfalls abgezogen werden.

Die Abschlusskosten der Lebensversicherung dürfen nicht einbehalten werden. Auch Verwaltungskosten sind in voller Höhe zu erstatten. Zudem dürfen Ratenzahlungszuschläge nicht auf den widersprechenden Kunden abgewälzt werden.

Wozu Online-Rechner gut sind

Mittlerweile gibt es viele „Online-Rechner“, die Ihnen grob einen Wert ermitteln. In der Regel sind sie kostenlos. Durch die Eingabe verschiedener Kriterien oder die Beantwortung unterschiedlicher Fragen wird daraus die Summe berechnet, die Ihnen bei einem erfolgreichen Widerruf zusteht. Die verschiedenen Rechner kommen wegen unterschiedlicher Berechnungskriterien oft zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch ist das ein guter Anhaltspunkt, um die Anspruchssumme zu bestimmen, die Ihnen bei einem Widerruf zustehen könnte.

Was Sie tun sollten

Wir raten Versicherungsnehmern, unbedingt Ihre Verträge prüfen zu lassen. Wir haben festgestellt, dass die Versicherer sich in den meisten Fällen nicht besonders kooperativ zeigen und erst bei entsprechendem Nachdruck reagieren. Wir bieten Ihnen deshalb  eine kostenlose Erstprüfung an und helfen Ihnen, Ihre Rechte optimal durchzusetzen.

Nehmen Sie am besten umgehend Kontakt mit uns auf.

© KWAG – Rechtsanwälte, 22. 5. 2017

Das KWAG-INFO zum Widerruf von Lebens- und Rentenversicherungsverträgen als PDF-Datei zum Ausdrucken finden Sie HIER.