Schiffsfonds KGAL 193 Sea Class 6

Ausschüttungen bisher mehr als 81 Prozent unter Plan

(Bremen,21. August 2013) Auch den Investoren des Schiffsfonds KGAL MS Sea Class 6 drohen unliebsame finanzielle Überraschungen. Denn nach Erkenntnissen der auf Investorenschutz spezialisierten KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht liegen die Ausschüttungen dieser Schiffsbeteiligung derzeit mehr als 81 Prozent unter Plan. Um Vermögenseinbußen zu vermeiden oder zu begrenzen, sollten Anleger Schadenersatzansprüche wegen Falschberatung prüfen.

Der Schiffsfonds KGAL MS Sea Class 6 hat ein Volumen von 92,5 Millionen Euro. Davon haben Anleger gut 38,6 Millionen Euro als Eigenkapital eingebracht, der Rest wurde finanziert. Der Fonds wurde im Jahr 2006 aufgelegt und im Jahr 2007 platziert. Investoren konnten sich mit mindestens 20.000,00 US-Dollar plus 5 Prozent Ausgabeaufschlag beteiligen. Die Auflösung des Fonds ist für das Jahr 2024 vorgesehen.

Gemäß Prospekt hätten Anleger bis heute Ausschüttungen in Höhe von rund 17,4 Millionen Euro erhalten müssen. Überwiesen wurden nur rund 3,2 Millionen Euro – mehr als 81 Prozent unter Plan also. „Nach unseren Erkenntnissen werden die Investoren, unter der Voraussetzung, dass der Fonds künftig wie projektiert läuft, erst in einigen Jahren wieder Ausschüttungen erhalten“, sagt Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht sowie KWAG-Partner. Erschwerend komme hinzu, dass nur 88 Prozent des von Anlegern aufgebrachten Kapitals in die eigentliche Schiffsinvestition geflossen seien. 12 Prozent waren demnach so genannte Weichkosten, inklusive des Agios, die für Investoren keine Erträge abwerfen.

Die aktuellen Probleme des Schiffsfonds KGAL MS Sea Class 6 resultieren einerseits aus den negativen ökonomischen Rahmenbedingungen mit einer eher schwächeren Nachfrage nach Ladekapazitäten, einem anhaltend hohen Schiffsangebot sowie sinkenden oder stetig niedrigen Charterraten.

Im Jahr 2012 haben sich die Charterraten nicht wesentlich zum Vorjahr erhöht. Somit hat sich die Fondsgesellschaft sich an die Anleger gewandt, Restrukturierungskapital von 30 Prozent ihres eingezahlten Kapitals bereitzustellen. In dem Anschreiben an die Anleger des Fonds wird weiterhin erwähnt, dass - sollte das vorgeschlagene Restrukturierungskonzept scheitern - die Schiffe verkauft werden müssten und die Anleger ihren Kapitaleinsatz verlieren würden.  Sollten die im Restrukturierungskonzept angenommenen Charterraten um 500 US-Dollar pro Tag durchschnittlich abweichen, werden die Anleger 8,3 Prozent weniger Ausschüttungen auf das ursprünglich eingesetzte Kapital erhalten.

Auf der anderen Seite „machen sich insbesondere Fehleinschätzungen des Fondsmanagements im Hinblick auf die Wechselkursentwicklung speziell bei Euro und US-Dollar negativ bemerkbar“, erläutert Fachanwalt Ahrens. So habe man seit Fondsauflage bis zum laufenden Jahr einen zum Euro tendenziell oder sogar deutlich stärkeren Dollar unterstellt. „Dieses Kalkül ist aber bis vor Kurzem nicht aufgegangen, eher im Gegenteil“, stellt Jan-Henning Ahrens fest. Folge: Die Charterraten, die weltweit in US-Dollar abgerechnet werden, mussten bis dato zu einem für in Euro rechnende Investoren ungünstigen Wechselkurs umgetauscht werden. „Dies belastet zwangsläufig die Wirtschaftlichkeit des Schiffsfonds“, sagt Ahrens.

Investoren wird nicht empfohlen, Sanierungskonzepten grundsätzlich und bedenkenlos zuzustimmen. Denn „in jedem Fall sollte sorgfältig geprüft werden, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Probleme dauerhaft gelöst werden können“, betont KWAG-Partner Jan-Henning Ahrens. Erfolg versprechender sei es hingegen häufiger, Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafte Anlageberatung oder mangelnder Prospektgestaltung geltend zu machen und dann auch vor Gericht durchzusetzen.