MPC-Lebensversicherungsfonds: Für mehr als 20.000 private Anleger große Ausschüttungsverluste vorprogrammiert

KWAG Rechtsanwälte: Angebliche Einkaufsvorteile zu hoch angesetzt und deshalb nicht realisierbar. Bereits beim Ankauf der Policen fehlten 529 Millionen Euro an den in Aussicht gestellten Ausschüttungen

(Bremen, 18. Dezember 2013) Für mehr als 20.000 private Anleger, die mehr als 600 Millionen Euro in Lebensversicherungsfonds des Hamburger Initiators MPC Capital investiert haben, bestanden von vornherein nur sehr geringe Chancen auf die in den Verkaufsprospekten in Aussicht gestellten Erträge. Im Gegenteil. Nach Erkenntnissen der auf die Interessenvertretung von Investoren spezialisierten KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Bremen waren bereits von Beginn an große Ausschüttungsverluste programmiert, selbst wenn die prospektierte äußerst positive Zinsentwicklung eingetreten wäre.

Die MPC Münchmeyer Petersen Capital Vermittlung GmbH ist eines der großen deutschen Emissionshäuser. Das Unternehmen initiierte in den Jahren 2002 bis 2006  10 Fonds mit  so genannten gebrauchten deutschen Kapital-Lebensversicherungen, die den Anlegern während der meist 15-jährigen Laufzeit Renditen von sechs bis acht Prozent in Aussicht stellten (berechnet nach der IRR Methode des „Internen Zinsfußes“). Neun dieser Fonds hat KWAG Rechtsanwälte näher untersucht, nämlich die MPC-Beteiligungen Rendite-Fonds Leben Plus, Leben Plus II, Leben Plus III, Leben Plus IV, Leben Plus V, Leben Plus VI, Leben Plus VII, Leben Plus Spezial und Leben Plus Spezial II .

„Die neun Fonds haben insgesamt mehr als 20.000 Anleger, die 608 Millionen Euro Kommanditkapital und Agio aufbrachten und dabei den MPC-Gesellschaften und den Vertriebs­organisationen 125 Millionen Euro mehr oder weniger risikofreier Einnahmen bescherten“ erklärt Jens-Peter Gieschen, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht sowie KWAG-Partner. Bei diesen Einnahmen handelt es sich um  Kosten für Gründung (0,6 Mio. €), für Konzeption, Marketing, Prospekterstellung (4,25 Mio. €), für Kapitalbeschaffung (70,3 Mio. €), für Treuhandabwicklung (4,59 Mio. €), für Mittelverwendungskontrolle (0,422 Mio. €), für Sicherstellung der Gesamtfinanzierung (18,55 Mio. €), für rechtliche und steuerliche Beratung (2,64 Mio. €), für Fremdkapitalvermittlung (16,532 Mio. €) und für die Erstellung der Kreditverträge durch die finanzierenden Banken (6,95 Mio. €).

„In jedem dieser Fonds verlieren die Anleger Kapital, zum Teil mehr als die Hälfte dessen, was sie einmal eingesetzt haben“ fährt Gieschen fort. Diese Verluste würden vom jeweiligen Fondsmanagement auf die Entwicklung der Kapital­markt­zinsen zurückgeführt, die zu niedrigen Überschüssen bei den Versicherungs­unter­nehmen geführt hätten. Den weitaus größeren Anteil an den Verlusten der Anleger haben in Wirklichkeit aber nach Erkenntnissen von KWAG die wesentlich zu hoch angesetzten und deshalb nicht realisierbaren Einkaufsvorteile.

Aus einer Informationsschrift zum „MPC Rendite-Fonds Leben Plus II“:

„Im Einkauf liegt der Gewinn.Die Rendite wird bei diesem Beteiligungsangebot  hauptsächlich durch den günstigen Einkauf der Kapitalversicherungen erzielt…. Da der Rückkaufswert, der als Basis für die Kaufpreisermittlung dient, weit unter dem tatsächlichen Wert des Versicherungs­vertrages liegt, können die Verträge äußerst günstig erworben werden.“

Ein Zahlenbeispiel in dieser Informationsschrift kommt nach KWAG-Erkenntnissen aber zu einem völlig falschen und viel zu hohen Einkaufsvorteil und führt die Anleger in die Irre! „Es wird ein Einkaufsvorteil von 14.310 Euro ausgewiesen, der bei richtiger Berechnung des Beispiels aber nur 8.100 Euro beträgt“, sagt Fachanwalt Gieschen.

Hinweise auf die Bedeutung der Differenz zwischen Rückkaufswert bzw. Einkaufspreis und dem geschätzten erworbenen Policenwert für die Rendite der MPC Lebens­versicherungs­fonds finden sich in allen Verkaufsprospekten zu diesen Fonds. In keinem Prospekt wird aber die Größe der Differenz zwischen geschätztem tatsäch­lichen Wert und Rückkaufswert, mit der im Verkaufsprospekt kalkuliert wurde, beziffert. Es wird auch in keinem späteren Jahresbericht mitgeteilt, wie hoch der geschätzte Wert der erworbenen Policen zum Ankaufszeitpunkt war. „Das Fondsmanagement hat auch trotz im Mandantenauftrag erfolgter Anfrage seitens KWAG weder Auskunft zu den im Prospekt geplanten noch zu den tatsächlich erworbenen Policenwerten  erteilt“, kritisiert KWAG-Partner Gieschen.

Anhand von Berechnungen, die die aktuellen Ausschüttungsprognosen der Fonds  berück­sichtigen, hat das KWAG-Team festgestellt, dass bei den überprüften neun Fonds durch den „günstigen“ Einkauf insgesamt ein Wertvorteil von 444 Millionen Euro in die Prospektzahlen eingerechnet  war und erzielt werden sollte. Tatsächlich muss aber nur ein Wertvorteil von  etwa 147 Millionen Euro entstanden sein.

Konkret: Der eingekaufte Wert sollte um 444 Millionen Euro über den geplanten  Rückkaufswerten liegen, muss aber nach KWAG-Berechnungen tatsächlich nur um  etwa 147 Millionen Euro über den geplanten  Rückkaufswerten gelegen haben. Dies bedeutet: „Hier fehlten also bereits zum Ankaufszeitpunkt der Policen  297 Millionen Euro Policenwert. Zusammen mit den auf diesen Betrag nicht zu verdienenden Zinsen fehlen damit bereits 529 Millionen Euro an den geplanten Ausschüttungen von 1,317 Milliarden Euro, das sind etwa 40 Prozent“, rechnet Gieschen vor. „Die verbleibenden geplanten Ausschüttungen in Höhe von 788 Millionen Euro würden dann nur zu Ausschüttungen vor Steuern in Höhe von etwa 130 Prozent auf das eingesetzte Kapital reichen, und damit wäre den Fonds bei einer Laufzeit von etwa 15 Jahren aus der Sicht der Jahre 2002 bis 2006 jegliche Attraktivität genommen “, fährt Gieschen fort.

Insgesamt sollten die neun Fonds laut Prospekten Ausschüttungen von  1,317 Milliarden Euro erwirtschaften. Nach den derzeitigen Prognosen sind aber nur Ausschüttungen in Höhe von 447 Millionen Euro zu erwarten, Tendenz fallend. Die Fondsleitung hat die Prognoseberechnungen trotz zweimaliger Anforderung nicht herausgegeben, so dass eine Plausibilitätsprüfung bisher nicht stattfinden konnte.

Die bisher prognostizierte Ausschüttungs-Differenz in Höhe von  etwa 869 Millionen Euro entfällt nur zu  340 Millionen Euro auf die gegenüber den Verkaufsprospekten niedrigere Policenverzinsung.  529 Millionen Euro hingegen sind auf die offensichtlich nicht in ausreichender Höhe vorhandenen, aber in den Verkaufsprospekten kalkulierten Wertvorteile beim Einkauf zurück zu führen.

„Die Diskrepanz zwischen geplanten und tatsächlich erzielbaren Einkaufsvorteilen hätte MPC nach dem Einkauf der Policen für den ersten aufgelegten Fonds mit deutschen Lebensversicherungen im Jahr 2002 frühzeitig erkennen und bei den späteren Fonds berücksichtigen können. Es wäre dann den Anlegern viel Verlust erspart geblieben“, sagt KWAG-Partner Jens-Peter Gieschen.

„Da der Misserfolg bei allen neun Fonds die gleiche Ursache hat, nämlich neben niedrigen Zinsen vor allem ungenügende Einkaufsvorteile, sollten sich möglichst viele Anleger zusammenschließen, um zunächst auf außergerichtlichem Wege zu versuchen, die Verluste möglichst klein zu halten. Sollte das nicht oder nicht in befriedigendem Maße gelingen, sollten gemeinsame Klagen auf den Weg gebracht werden. Das ist wesentlich kostengünstiger als Einzelklagen. Auf jeden Fall sollte anwaltlicher Rat in Anspruch genommen werden, schon wegen der absoluten Verjährungsfrist von 10 Jahren.“ So der Rat von Fachanwalt Jens-Peter Gieschen, einem der beiden Partner von KWAG.