Die db Kompass Life 3 Fonds der Deutsche Bank AG

Nach db Kompass Life 1 und db Kompass Life 2 hat die Deutsche Bank AG im Oktober 2007 die Geschlossenen Fonds „db Kompass Life 3 (EUR)“ und „db Kompass Life 3 (US$)“ herausgebracht. Der wirtschaftliche Erfolg aller vier Fonds hängt von dem Eintritt bestimmter Sterbewahrscheinlichkeiten der den Fonds zugrundeliegenden Populationen ab.

Während die beiden erstgenannten Fonds auf tatsächlichen Lebensversicherungspolicen beruhen, die auf dem amerikanischen Zweitmarkt für Lebensversicherungen erworben wurden, arbeiten die db Kompass Life 3 Fonds nicht mit Versicherungspolicen.

Stark vereinfacht dargestellt, ist das Prinzip der Fonds 1 und 2 folgendes:

  1. Der Fonds kauft  „gebrauchte“ Lebensversicherungen auf dem amerikanischen Zweitmarkt für Lebensversicherungen (Kaufpreis liegt zwischen Rückkaufswert, den die Versicherungsgesellschaft zahlen würde, und der Ablaufleistung)
  2. Der Fonds zahlt die Prämie bis zum Eintritt des Versicherungsfalls (Ablauf der Versicherung oder Tod des Versicherten)
  3. Der Fonds kassiert die Versicherungsleistung

Der wirtschaftliche Erfolg des Fonds ergibt sich aus der Differenz von erhaltener Ablaufleistung, gezahlter Prämie und Ankaufspreis der Versicherungspolicen. Die Prognoserechnungen der Fonds beruhen auf Annahmen zur statistischen Sterbewahrscheinlichkeit, die sogenannten Sterbetafeln entnommen werden. (Ein Auszug aus einer Sterbetafel ist als Anhang beigefügt.)

Der wirtschaftliche Erfolg eines solchen Fonds ist umso größer, je früher die Versicherten sterben, deren Policen der Fonds besitzt: ist der Tod eines Versicherten laut Sterbetafel bei einem erreichten Lebensalter von z.B. 80 Jahren zu erwarten und stirbt der Versicherte schon mit 75 Jahren, so spart der Fonds die Prämienzahlung für 5 Jahre und erhält außerdem die Versicherungsleistung 5 Jahre früher als geplant. Stirbt der Versicherte erst mit 85 Jahren, so ergibt sich der umgekehrte Effekt.

Alle vier Fonds arbeiten nach dem Wettprinzip; es gibt Gewinner und Verlierer. Sterben die Versicherten früher, so gewinnt der Wettpartner „Fonds“, sterben sie später, so gewinnt der Wettpartner „Versicherungsgesellschaft“ – wenn es diesen Wettpartner gibt.

Den Wettpartner „Versicherungsgesellschaft“ gibt es bei den db Kompass Life 3 Fonds nicht, denn hier ist der Wettpartner der Fonds die Deutsche Bank AG. Da es in diesen Fonds den Wettpartner „Versicherungsgesellschaft“ nicht gibt, werden auch keine Versicherungspolicen benötigt; die muss man sich nur denken. Zu dem Wettspiel benötigt man dann noch zwei Würfel: einen schwarzen und einen roten. Würfelt man mit dem schwarzen Würfel eine 5, so stirbt der Ausgewürfelte 5 Jahre früher; wird die 5 mit dem roten Würfel gewürfelt, so stirbt der Ausgewürfelte 5 Jahre später. Die Würfel werden vor jedem Würfeln blind aus einem Gefäß gezogen. Bis zum „Sterbedatum“ werden die gezahlten fiktiven Versicherungsprämien auf einem Zettel notiert und bei Ableben des fiktiven Versicherten werden die empfangenen Ablaufleistungen ebenfalls notiert. Nach einer festgelegten Zahl von Würfeldurchgängen wird Bilanz gezogen und der Wettgewinner festgestellt: Ist das fiktive Vermögen des Fonds kleiner als am Anfang festgelegt, gewinnt die Bank, ist es größer, gewinnt der Fonds.

Genau so, wie oben beschrieben, funktionieren die db Kompass Life 3 Fonds – nur mit echtem Geld und nicht mit Spielgeld. Das echte Geld wird von den Fondszeichnern in die Fonds eingezahlt. Die Fonds kaufen mit diesem Geld Zertifikate, die von der Deutschen Bank London ausschließlich für die Fonds herausgegeben werden. Die Deutsche Bank legt die Ober- und Untergrenzen dessen fest, was die Fonds bei Ende der Fondslaufzeit wiederkriegen können (maximaler und minimaler Rücknahmepreis der Zertifikate). Der zwischen diesen beiden Grenzen liegende tatsächliche Rückzahlungsbetrag hängt von der Entwicklung eines Indexes ab, der sich letzten Endes innerhalb des Fonds daraus ableitet, wie weit die erwarteten von den tatsächlichen Sterbeterminen der „Fondspersonen“ abweichen.

Da die obige Spielbeschreibung mit Würfeln nur bedingt prospekttauglich ist, spielt die Deutsche Bank das Spiel mit echten Personen: Es werden 500 Personen im Alter zwischen 70 und 90 Jahren von einer „TRUST“-Gesellschaft vertraglich verpflichtet, sich von zwei Ärzten untersuchen zu lassen. Die ärztlichen Untersuchungsergebnisse werden von zwei Medizinischen Gutachtern, die der TRUST bestellt, ausgewertet und es wird von diesen Gutachtern unabhängig voneinander anhand der ärztlichen Unterlagen der Gesundheitszustand der Referenzpersonen beurteilt und ihre Lebenserwartung geschätzt.

Eine Berechnungsstelle bei der Deutschen Bank London ermittelt jetzt einen Basiswert für den Fondsindex, der so bemessen ist, dass der maximale Rücknahmepreis bei Ende der Fondslaufzeit von 7 Jahren für den EUR-Fonds eine Prognose-Rendite auf IRR-Basis von 8,45% (US$ 9,01%) ergibt, wenn die durchschnittliche Lebensdauer der Referenzpersonen um bis zu 12 Monate länger ist als die von den Medizinischen Gutachtern geschätzte Lebenserwartung und die Prognose-Rendite noch 3% (US$ 3,38%) beträgt, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung der Referenzpersonen 24 Monate länger ist.

In dem Fall, dass die Fondsgesellschaft nur den Mindestrücknahmepreis für die Zertifikate erhält, beträgt die IRR für den EUR-Fonds -5,53% und für den US$-Fonds - 4,24%. Dieser Fall dürfte bei einer durchschnittlich 38,5 Monate (US$: 36,5 Monate) längeren Lebenserwartung eintreten.

Da die Deutsche Bank das Wettspiel nicht nur mit zwei Würfeln und einem Blatt Papier betreibt, benötigt sie ein umfangreiches und aufwändiges Geflecht von Gesellschaften und Einrichtungen, die hier nicht näher beschrieben werden sollen, sondern für die eine Übersicht als Anhang beigefügt ist.

Außerdem benötigt sie einen über 200 Seiten starken Verkaufsprospekt, in dem sie die Zusammenhänge zu beschreiben versucht. Auch nach intensivem Studium dieses Prospektes ist man nicht in der Lage, den Ausgangsindex und die Indexentwicklung rechnerisch nachzuvollziehen, was unter anderem daran liegt, dass der Rechengang nicht beschrieben ist. Es ist fraglich, ob der Bankmitarbeiter, der den Anleger berät, dieses kann und es ist sicher, dass ein potentieller Anleger dieses ganz bestimmt nicht versteht.

Fragen und Antworten

Welche „weichen“ Kosten hat ein db Kompass Life 3 Fonds?

Die weichen Kosten der Fonds belaufen sich auf 15,6% der Investitionssumme. Davon entfallen auf

Eigenkapitalvermittlungsprovision: 11,000%
Initiatorenvergütung:2,500%
Gründungskosten:0,183%
Liquiditätsreserve lfd. Kosten:1,930%

Die weichen Kosten fließen ganz überwiegend der Deutschen Bank zu.

Welcher Art Einkünfte erzielt der Fonds und damit der Anleger?

„Die Fondsgesellschaften  - und damit die Anleger als ihre (indirekten) Kommanditisten – üben folglich eine vermögensverwaltende und keine gewerbliche Tätigkeit aus.“ (Originalauszug aus dem Prospekt)

Dieses Fazit aus einer längeren Betrachtung im Verkaufsprospekt führt dazu, dass die Einkünfte der Abgeltungssteuer und nicht der Einkommensteuer unterliegen.

Die Länge der diesbezüglichen Ausführungen lässt den Eindruck einer gewissen Unsicherheit in der Beurteilung der Einkunftsart aufkommen; es könnte sich unter Umständen auch um Einkünfte aus Gewerbebetrieb (Gewerbesteuer; Einkommensteuer) handeln.

Welche Zahlungen erhalten die Anleger?

Die Anleger erhalten plangemäß jährliche Zahlungen in Höhe von 3% des investierten Kapitals. Die Zahlungen erfolgen plangemäß nachschüssig im März eines jeden Jahres von 2009 bis 2015. Diese Zahlungen setzen sich zusammen aus Teilkapitalrückzahlungen und Zinszahlungen (2,5% bis 2,58% Tilgung, Rest Zinsen)

Die Rücknahme der Zertifikate bei Fondsende durch die Deutsche Bank London richtet sich nach dem Wert des Schluss-Indexes und beträgt mindestens 49,30% (US$: 55,31%) und höchstens 149,30% (US$: 155,31%) des Zertifikat-Nennbetrages.

Zu beachten ist, dass diese Zahlungen nur erfolgen können, nachdem die Deutsche Bank London an die Fonds gezahlt hat und der Fonds aus diesem Geld keine Verbindlichkeiten zu begleichen hat.

Warum keine echten Versicherungspolicen?

Bei der gewählten Konstruktion bleibt das Geld bei der Deutschen Bank, während es bei Kauf von Lebensversicherungen auf dem Zweitmarkt von der Bank abfließen würde.

Das ist naturgemäß nicht die Argumentation der Bank. Die Deutsche Bank argumentiert in dem Verkaufsprospekt mit der Möglichkeit, größere Portfolios zu bilden und damit die Volatilität der Anlage einzuschränken. Außerdem argumentiert sie mit dem geringeren Insolvenzrisiko, weil keine Versicherungsgesellschaften mitspielen, die insolvent werden könnten.