DB Kompass Life Fonds: Finanzinstitut unter Zugzwang

Angebotsfrist endet am 27.11. – Deutsche Bank übt Druck auf Anleger aus

Hamburg, 25. November 2009. In der Auseinandersetzung um die Fonds „db Kompass Life 1 und 2" der Deutschen Bank zeigt sich der Branchen-Primus zunehmend nervös. Offensichtlich erklären sich nur wenige Anleger bereit, auf das 80-prozentige Rückkaufangebot für die Katastrophenfonds einzugehen. Die Deutsche Bank hatte für diese Vergleichsannahme eine unzureichend kurze Frist bis zum 27.11.2009 gesetzt, die nun wohl ohne das gewünschte Ergebnis zu verstreichen droht.

„Zahlreiche Anleger berichteten mir in den letzten Tagen davon, dass Sie von ihren Kundenberatern der Deutschen Bank angerufen und zum Abschluss des Vergleiches gedrängt werden. Wer telefonisch nicht erreichbar ist, bekommt Schreiben per Fax oder Mail", informiert Rechtsanwalt von Ferber, dessen Interessengemeinschaft rund 2500 Anleger dieser Fonds vertritt.

Ähnliches berichtet auch KWAG-Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Jens-Peter Gieschen: „Die Deutsche Bank agiert offensichtlich völlig kopflos und leistet sich nun zum Nachteil der Kunden schon die zweite Fehlberatung in Folge. Wir raten allen Anlegern, die jetzt solche Anrufe erhalten, hierüber unverzüglich ein Gedächtnisprotokoll zu erstellen und dieses an die Interessensgemeinschaft zu senden. Wer Mails oder Faxe ähnlichen Inhalts erhält, sollte diese unbedingt archivieren und ebenfalls der Interessensgemeinschaft zur Verfügung stellen."

Für die betroffenen Anleger kann hierin aber auch eine Chance liegen. „Auch die Empfehlung, eine Beteiligung zu verkaufen, ist eine Beratung. Sollte sich später herausstellen, dass die Empfehlung objektiv falsch gewesen ist, eröffnen sich für den Anleger möglicherweise neue Schadensersatzansprüche", erläutert Gieschen. „Wir halten das Angebot der Deutschen Bank nach wie vor für unzureichend und können nicht zu einer Annahme raten. Wer aber dem Druck seiner Berater schon nachgegeben hat, sollte noch nicht völlig aufgeben. Wenn sich eine Situation, wie die eben beschriebene, nachweisen lässt, bleibt eine Hoffnung auf spätere Entschädigung", fügt Rechtsanwalt von Ferber hinzu.

Mitarbeiter der Deutschen Bank berichten laut Gieschen und von Ferber davon, dass das Thema "db Kompass Life" ganz oben auf der Tagesordnung stehe und die Kundenberater nun zum „Verkauf" des Vergleichsangebotes gedrängt werden. Betroffene Anleger fühlen sich daher an Methoden von Drückerkolonnen erinnert.

Hintergrund

Die Deutsche Bank hatte zum Jahresende 2005 von über 20.000 Anlegern insgesamt 535 Millionen Euro für die beiden geschlossenen Fonds db Kompass Life 1 und 2 eingesammelt. Von dieser Summe erhielt sie selbst rund 66 Millionen Euro für Fondskonzeption und Eigenkapitalvermittlung. Abzüglich einiger weiterer Kosten blieben dann noch rund 467 Millionen Euro Anlegergelder zum investieren. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass diese Gelder nicht wie ursprünglich gedacht angelegt werden konnten. Der Zweitmarkt für US Lebensversicherungen war zu eng für diese gewaltige Investitionssumme. Die Deutsche Bank erwarb mit Mühe nur insgesamt 160 Versicherungspolicen zu Gesamtanschaffungskosten von deutlich unter 467 Millionen Euro. Sie löste das Problem, indem sie die Policen zunächst teilte und den Wert der Teilpolicen anschließend durch sogenannte Mehrfachgewichtung wieder erhöhte. So wurden aus ursprünglich 160 Policen mit einem Anschaffungsvolumen von deutlich unter 467 Millionen Euro schließlich 255 Policen mit einem Volumen von 467 Millionen Euro.

Aber damit war nur ein Problem gelöst. Ein weiteres Problem bestand darin, dass die von den medizinischen Gutachtern ermittelten Laufzeiten der Policen so lang waren, dass die prospektierten Ablaufleistungen und Ausschüttungen unter Berücksichtigung der Abfindungsregelung für das Restportfolio nicht mehr realistisch waren. Die Deutsche Bank wickelte den Fonds jedoch nicht wieder ab, wie es in dieser Situation erforderlich gewesen wäre, sondern reduzierte für Zwecke ihrer Modellrechnung die erwartete durchschnittliche Laufzeit der beiden Versicherungsportfolien kurzerhand von gut 9 auf etwa 5 – 6 Jahre.

Den Gesellschaftern beider Fonds wurden deshalb in den Geschäftsberichten der letzten drei Jahre Prognoserechnungen vorgelegt, die mit den tatsächlich vorhandenen Versicherungsportfolien nicht mehr in Einklang zu bringen waren. Nachdem die in mehrfacher Hinsicht fehlerhafte Umsetzung der Fonds nunmehr immer offensichtlicher geworden ist und viele Gesellschafter auf die Deutsche Bank Druck ausgeübt haben, hat diese ein Angebot unterbreitet, dass für die Gesellschafter einen Verlust (vor entgangenen Zinsen) von 20 Prozent des eingesetzten Kapitals beziehungsweise insgesamt einen Verlust von 107 Millionen Euro bedeutet. „Insbesondere vor dem Hintergrund der versteckten Gewinne, die noch für die Deutsche Bank in dem Portfolio stecken, ist dieses Angebot viel zu niedrig“, sagt Rechtsanwalt von Ferber. Rechnet man auch die entgangenen Zinsen von 5,5 Prozent p.a. ein (was im Vergleich zur versprochenen Rendite von 6,9% nach Steuern bescheiden ist), erhöht sich der Schaden für den Anleger bei Annahme des Angebotes auf rund 45 Prozent des eingesetzten Kapitals. Das sind in der Summe rund 240 Millionen Euro für die Anleger beider Fonds.

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Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Jens-Peter Gieschen, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

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