Solar Millennium AG

Die Insolvenz der Solar Millennium AG trifft mehr als 30 000 Anleger

Die Meldung vom 21.12.2011 hat Tausende von Anlegern aufgeschreckt. Die Solar Millennium AG hat mit diesem Tage einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Fürth gestellt. 

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Erlanger Solarunternehmens hat das Amtsgericht Fürth Volker Böhm bestellt. Böhm gilt als einer der erfolgreichsten Insolvenzverwalter Deutschlands, der bereits mit den Insolvenzverfahren des Porzellanherstellers Rosenthal, des Eishockeyteams Nürnberg Ice Tigers, dem Ofenbauer  Kago und anderen  betraut war.

Bislang betroffen sind ca. 60 Beschäftigte und Tausende von Anlegern, die mehrere Mio. Euro in unterschiedlicher Form in Solar Millennium investiert haben. Davon haben mehrere Tausend Anleger in Anleihen der Solar Millennium AG investiert, sowie sich an zwei von der Solar Millennium AG initiierten Geschlossenen Fonds „Ibersol" und „Andasol" beteiligt. Auch haben ebenfalls mehrere Tausend Anleger sich Aktien der Gesellschaft gekauft, die nun ebenfalls um ihre Investition bangen.

Die Solar Millennium AG war seit einiger Zeit mit negativen Schlagzeilen konfrontiert. Der unrühmliche und wohl medienwirksamste negative Höhepunkt ist  die gerichtliche Auseinandersetzung zwischen der Gesellschaft und ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen. Auch stehen ehemalige Verantwortungsträger der Solar Millennium AG offensichtlich in der Kritik. Der Staatsanwaltschaft sollen nach Angaben  verschiedener Medien Strafanzeigen wegen Untreue, Insidergeschäften, Prozessbetrug, Urkundenfälschung und aktienrechtlicher Verstöße gegen Verantwortliche vorliegen. Daneben soll die Aufsichtsbehörde BaFin wegen des Verdachts auf Insiderhandel ermittelt.

Viele Anleger der Solar Millennium AG stellen sich nun die Frage, ob ihr investiertes Geld verloren ist oder ob noch Hoffnung besteht, zumindest einen Teil zurückzuerhalten. Auch besteht die Ungewissheit, gegen wen man als Betroffener überhaupt vorgehen kann. Und letztendlich besteht Unsicherheit über den weiteren Fortgang des Verfahrens.

Nach vorläufiger Prüfung und erster Sichtung der Unterlagen der Solar Millennium AG kommen die  Rechtsanwälte der KWAG zu folgendem Ergebnis:

Solar Millennium projektierte und finanzierte weltweit Solarkraftwerke. Es gibt rund 60 Projektgesellschaften und Beteiligungen an Unternehmen in Deutschland, den USA, Spanien, Israel, Marokko, Türkei, Ägypten und weiteren Ländern. Die Projekte befinden sich überwiegend in sehr frühen Entwicklungsstadien. Ein Kraftwerk, das als Fonds konzipierte Projekt Andasol, ist bereits fertig. Ein weiteres Projekt, das als Fonds konzipierte Vorhaben Ibersol, befindet sich noch im Bau.

Geschlossene Fonds der Solar Millennium:

Solar Millennium hat zwei geschlossene Fonds aufgelegt, die Andasol Fonds GmbH & Co. KG und die Ibersol Fonds GmbH & Co. KG. Beide sind eigenständige Unternehmen, die nicht Insolvenz angemeldet haben. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind diese Fonds aktuell nicht direkt von der Insolvenz der Solar Millennium AG betroffen. Fraglich ist jedoch, welche vertraglichen Verpflichtungen zwischen den jeweiligen Fondsgesellschaften und der insolventen Gesellschaft bestehen.

Andasol Fonds GmbH & Co. KG:

Am Andasol-Fonds haben sich 3569 Zeichner mit rund 48 Mio. Euro beteiligt. Das damit finanzierte Kraftwerk in Südspanien erzeugt bereits Strom.

Handlungsvorschlag für Anleger der Andersol-Fonds GmbH & Co. KG:

Prüfung von Ansprüchen gegenüber der Solar Millennium AG, der beratenden Bank und anderen Beratern. Ferner die Prüfung der Plausibilität und der Wirtschaftlichkeit des Fonds mit möglichen vertraglichen Abhängigkeiten und Verpflichtungen gegenüber der insolventen Solar Millennium AG.

Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht von der Kanzlei KWAG, hält den Andasol-Fonds  für derzeit noch nicht krisensicher. „Sämtliche Möglichkeiten einer Haftung oder vertraglichen Verpflichtung des Fonds gegenüber der insolventen Solar Millennium AG müssen individuell überprüft werden, damit die Anleger keine  Risiken und Verluste aus der bestehenden Insolvenz treffen“, so Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von den KWAG-Rechtsanwälten.

Jeder Anleger dieses Fonds sollte somit seine Beteiligung auf Ausstiegsmöglichkeiten durch die KWAG-Rechtsanwälte überprüfen lassen.

Ibersol-Fonds GmbH & Co. KG:

Die Platzierung der Anteile der Ibersol-Fonds GmbH & Co. KG hat Solar Millennium am 21. Dezember 2011 vorzeitig beendet. Bis zu diesem Zeitpunkt haben 537 Anleger rund 6,6 Mio. Euro bereit gestellt. Das Geld soll auf einem Treuhandkonto hinterlegt worden sein. Dieser Fonds soll nunmehr rückabgewickelt und das Geld aus dem Treuhandkonto an die Zeichner ausgezahlt werden. Dafür müssen die Fonds-Gesellschafter einen entsprechenden Beschluss fassen. Diese Beschlussfassung wäre zwar ratsam, da das auf dem Treuhandkonto befindliche Geld außerhalb der Insolvenz liegt und damit insolvenzfest ist. Fraglich ist jedoch, was für Verpflichtungen und Haftungen gegenüber der Gesellschaft und deren Gesellschaftern mit einem solchen Beschluss aufleben. Denn auch eine zunächst sinnvolle erscheinende Lösung muss immer auch auf die weiteren Folgen hin überprüft werden.

Handlungsvorschlag für Anleger der Ibersol-Fonds GmbH & Co. KG:

Prüfung von Ansprüchen gegenüber der Solar Millennium AG und der beratenden Bank und anderen Beratern.

Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht von der Kanzlei KWAG, hält den Ibersol-Fonds für nicht mehr realisierbar. „Sämtliche Möglichkeiten des Ausstiegs aus diesem Fond müssen individuell überprüft werden, damit die Anleger keine Verpflichtungen oder Nachhaftungen treffen und er sein investiertes Geld ohne Verlust wieder zurückbekommt“, so Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von den KWAG-Rechtsanwälten.

Jeder Anleger dieses Fonds sollte somit seine Beteiligung durch die KWAG-Rechtsanwälte auf Ausstiegsmöglichkeiten überprüfen lassen. 

Aktien an der Solar Millennium AG:

Die rund 14 000 Aktionäre der insolventen Solar Millennium AG haben im Insolvenzverfahren keine Forderungen. Erst nach der Befriedigung sämtlicher Gläubiger, der Begleichung der Kosten des Insolvenzverfahrens   und einer sich daran anschließenden  Liquidation der Gesellschaft können die Aktionäre aus einem dann möglicherweise noch bestehenden Restvermögen eine Zahlung erwarten. Das bedeutet, dass erst dann ein Anspruch auf Zahlung an die  Aktionäre besteht, wenn die Forderungen aller Gläubiger der insolventen Gesellschaft komplett befriedigt sind und die Gesellschaft abgewickelt wurde. Für alternative Lösungen, wie z. B. ein Insolvenzplanverfahren, sind derzeit keine Anzeichen erkennbar. Auch hat der vorläufige Insolvenzverwalter sich dazu nicht geäußert. Allerdings betonte er, dass er sich bemühe, den Geschäftsbetrieb zunächst aufrechtzuerhalten und einen Teil der Projektgesellschaften sowie die US-Tochter Solar Trust und weitere Unternehmensbeteiligungen an Investoren zu veräußern, um die Schulden der Gesellschaft zu bezahlen. Wegen der Vielzahl an Gesellschaften, Projekten und Partnern wird dieses ein lang andauerndes Verfahren werden.

Handlungsvorschlag für Solar Millennium Aktionäre:

Prüfung von Ansprüchen gegenüber der Solar Millennium AG und der beratenden Bank und anderen Beratern, über die die Aktien erworben wurden.

„Sämtliche Möglichkeiten einer Beraterhaftung bei dem Erwerb der Aktien müssen individuell überprüft werden“, so Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von den KWAG-Rechtsanwälten, „damit nicht mögliche Ansprüche aus einer Beraterhaftung verlorengehen“.

Jeder Aktionär an der Solar Millennium AG sollte somit seinen Aktienerwerbsvorgang durch die KWAG-Rechtsanwälte überprüfen lassen.

Anleihen (Inhaber-Schuldverschreibungen) bei der Solar Millennium AG:

Die Solar Millennium AG hat über fünf Anleihen (Inhaber-Schuldverschreibungen) bei rund 16.000 Anlegern knapp 227 Mio. Euro eingesammelt. Damit haben die Inhaber von Anleihen (Inhaber- Schuldverschreibungen) der Solar Millennium AG entsprechend der mutmaßlichen Quote unter Umständen mit einem Totalverlust zu rechnen.

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens muss jeder Anleger seine individuelle Forderung beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle anmelden. Mit der Eröffnung des Verfahrens ist im März 2012 zu rechnen. Diese Anleger erhalten am Ende des Insolvenzverfahrens die gleiche Quote wie alle anderen unbesicherten Gläubiger. In der Regel beträgt diese nur einen geringen Prozentbetrag der ursprünglichen Investments der Anleger.

Handlungsvorschlag für Solar Millennium Aktionären:

Anmeldung der individuellen Forderung zur Insolvenztabelle.

Prüfung von Ansprüchen gegenüber der Solar Millennium AG und der beratenden Bank und anderen Beratern, über die die Anleihen erworben wurden.

„Sämtliche Möglichkeiten einer Beraterhaftung bei dem Erwerb der Anleihen müssen individuell überprüft werden“, so Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von den KWAG-Rechtsanwälten, „damit nicht mögliche Ansprüche aus einer Beraterhaftung verlorengehen“.

Jeder Erwerber von Anleihen (Inhaber-Schuldverschreibungen) an der Solar Millennium AG sollte somit seinen Erwerbsvorgang unter den Gesichtspunkten einer Beraterhaftung durch die KWAG-Rechtsanwälte überprüfen lassen.