Prokon-Genussscheine. Prokon-Chef Carsten Rodbertus bittet um Gnade.

KWAG Rechtsanwälte: Vermögenseinbußen können nur durch den Rat eines versierten Fachanwalts begrenzt oder vermieden werden.

(Bremen, 20. Januar 2014) Wer in Prokon-Genussscheine investiert hat, steht vor einem Desaster. Nun gilt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die auf die Interessenvertretung von Investoren spezialisierte KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Bremen bietet Entscheidungshilfen an. Den rund 75.000 Genussschein- Anlegern der PROKON drohen bei einer Insolvenz des Unternehmens erhebliche Kapitalverluste.

„Momentan haben die Genussschein-Anleger, wohl die Wahl zwischen Pest und Cholera. Egal wie sie sich entscheiden, das Risiko, sein Kapital größtenteils oder vollständig zu verlieren, ist groß“, erklärt Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht sowie KWAG-Partner.

Die Genussscheine, die von der PROKON Regenerative Energien GmbH & Co KG herausgegeben worden waren, sind als so genanntes nachrangiges Fremdkapital zu bewerten, so Ahrens. Das heißt: Bei einer Insolvenz des Unternehmens werden zunächst alle anderen Gläubiger befriedigt. Nur wenn ein Rest verbleibt, kommen die Genussrechte-Inhaber zum Zug.

Fraglich ist allerdings, ob die Forderungen der Genussrechteinhaber überhaupt eine Insolvenz der Gesellschaft hervorrufen können. Aufgrund der Genussrechtebedingungen haben die Zeichner der Genussrechte einen Rangrücktritt zugunsten der übrigen Gläubiger erklärt. Das würde bedeuten, dass die Forderungen aus den Genussrechten allein nie zu einer Insolvenz der Gesellschaft führen können, weil sie in der Krise und in der Frage zur Beurteilung der Insolvenzreife nicht zu berücksichtigen sind. Erst wenn so viele vorrangige Forderungen zu berücksichtigen sind, die für sich genommen die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung der Gesellschaft verursachen, tritt der Effekt ein, dass die Genussrechtezeichner aufgrund des Nachrangs leer ausgehen.

Wie bekannt, hat die Prokon vor wenigen Tagen ihre Genussschein-Investoren aufgefordert, mindestens neun Monate auf eine Kündigung zu verzichten. Anderenfalls sehe sich das Unternehmen gezwungen, spätestens zum Monatsende Insolvenz anzumelden. „Nach den uns vorliegenden Informationen ist eher unwahrscheinlich, dass die Prokon in neun Monaten keinen Liquiditätsengpass mehr haben wird“, befürchtet KWAG-Partner Ahrens.

KWAG vertritt bereits eine Reihe der Genussrechteinhaber. „Einer unserer Mandanten hat uns ein Schreiben vom 30.12.2013 vorgelegt, mit dem Prokon den Anleger bittet, seine Kündigung zu überdenken, sagt Ahrens. Der Vorwurf eines Schneeballsystems oder die Behauptung einer drohenden Insolvenz seien haltlos. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: Das ist definitiv nicht so!

Dies sei wenig glaubwürdig, so Ahrens, angesichts der dann im Januar erfolgten ultimativen Bitte an die 75.000 Anleger, das Genussrechtskapital nicht abzuziehen.

In dem Schreiben fleht Carsten Rodbertus, Geschäftsführender Gesellschafter der Prokon, den Anleger förmlich an, seine Kündigung rückgängig zu machen. Andernfalls hätte die Groß- und Finanzindustrie gemeinsam mit den Medien sein Lebenswerk und eine gesunde Firma zerstört. „Vor dem aktuellen Hintergrund dürften allerdings Zweifel an der Gesundheit des Unternehmens Prokon durchaus angebracht sein“, meint Rechtsanwalt Ahrens.

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen im Jahr 2013 im Geschäftsfeld Windparks rund 4 Millionen Euro und im Bereich Pflanzenöl rund 73 Millionen Euro weniger Umsatz als im davor liegenden Geschäftsjahr erzielt. Überdies gibt das Unternehmen an, dass das Genussrechtskapital mit derzeit 1,3545 Milliarden Euro höher ist als der festgestellte Sachanlagenwert von 1,2471 Milliarden Euro. „Sollte Prokon Insolvenz anmelden müssen und ein Insolvenzverfahren eröffnet werden, besteht die Gefahr, dass die Insolvenzmasse nach Befriedigung der Vorranggläubiger, nicht für die Rückzahlung des Genusskapitals ausreicht. Die bislang aufgelaufenen und noch geschuldeten Zinsen sind dabei noch nicht berücksichtigt“, erklärt Fachanwalt Jan-Henning Ahrens.

Fraglich war und ist allerdings, wie die Prokon-Unternehmensgruppe überhaupt Wertschöpfung betrieben haben will. Die Anleger haben an der PROKON Regenerative Energien GmbH & Co KG Genussrechte gezeichnet. Laut Emissionsprospekt sollte dieses Kapital als Darlehen an weitere Prokon-Unternehmen durchgereicht werden, die dann die eigentlichen Projekte realisieren sollten. Für diese Darlehen waren Verzinsungen zwischen 9 und 10 Prozent pro Jahr vereinbart. Genau genommen könnten somit der Rückfluss des Genussrechtskapitals und die geschuldete Verzinsung nur dann erfolgen, wenn die Emittentin die vereinbarten Zinsen und die Tilgung auch von den Darlehensnehmern zurückbekommen würde.

Außerdem hätte die Rückzahlung und Verzinsung des Kapitals zumindest rechnerisch im Prospekt abgebildet werden können, was nicht der Fall war, weil bei Prospekterstellung noch nicht klar war, für welche weiteren Gesellschaften Darlehen vergeben werden würden. Einen aussagekräftigen Businessplan sucht man im Prospekt vergeblich. Bei Prospekterstellung existierten erst drei Darlehensverträge über insgesamt 720 Millionen Euro mit einer Verzinsung zwischen 9 und 10 Prozent. Dieses Kapital stammte zum Teil aus den Genussrechtsemissionen aus den Jahren 2003 und 2005.Geplant war, dass die Darlehensnehmergesellschaften die angeschafften Vermögensgegenstände an die Emittentin sicherungsübereignet.

„Offensichtlich ist dieser Plan jedoch nicht aufgegangen“, mutmaßt Rechtsanwalt Ahrens. Anleger sollten die Genussrechte kündigen, wenn sie ihr Kapital zurückerlangen wollen. Das Argument, dadurch würde die Insolvenz der Gesellschaft riskiert, dürfte falsch sein. Prokon darf die Zahlung nur verweigern, falls die Gesellschaft durch die Auszahlung in die Krise geraten würde. Andernfalls bleibt der Anspruch solange in der Gesellschaft, bis die Finanzlage eine Auszahlung wieder zulässt. „Dann dürften sich diejenigen ins Fäustchen lachen, die zuerst gekündigt haben. Denn außerhalb der Insolvenz gilt der Grundsatz , wer zuerst kommt mahlt zuerst“, weiß KWAG-Partner Ahrens.

Daneben sollten Anleger ernsthaft eine Prüfung der Verkaufsprospekte im Hinblick auf fehlerhafte Angaben oder zum Beispiel eine nur unzureichende Risikoaufklärung in Erwägung ziehen bzw. einen versierten Rechtsanwalt mit der Prüfung beauftragen. Schadensersatzansprüche könnten gegen Carsten Rodbertus selbst sowie gegenüber Gründungsgesellschaftern bestehen. KWAG bereitet aktuell entsprechende Klagen für ihre Mandanten vor.