EEG-Reform erhöht die Risiken für Anleger

In der letzten Sitzung des Bundestags vor der Sommerpause hat die Bundesregierung die Reform des EEG durchgepeitscht. Das Nachsehen haben auch Privatanleger.

Ein Kommentar von Stefan Löwer, erschienen in Cash.online, 18. 7. 2016

Link: http://www.cash-online.de/sachwertanlagen/2016/eeg-reform-erhoeht-die-risiken-fuer-anleger/330940/print

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erfährt mit der Reform eine grundlegende Änderung: Statt fest kalkulierbarer Vergütungssätze für bis zu 20 Jahre sind künftig Ausschreibungsverfahren für die Förderung vorgesehen.

Dabei wird ein bestimmtes jährliches Zubauvolumen ausgeschrieben, zum Beispiel für Windkraft an Land zunächst 2.800 Megawatt (MW) pro Jahr. Zu jährlich vier Terminen á 700 MW können die Entwickler ihre Projekte einreichen und die gewünschte Förderhöhe beantragen.

Die günstigsten erhalten den Zuschlag, bis das Kontingent ausgeschöpft ist. Die anderen gehen leer aus. Das soll die Kosten der Förderung auf das Notwendigste beschränken, klingt auf den ersten Blick also nicht unvernünftig.

Kräftiger Gegenwind

Doch schon im Vorfeld hagelte es Kritik, nicht nur von den Grünen oder dem Bundesverband Erneuerbare Energien. Auch aus der Beteiligungsbranche kam kräftiger Gegenwind (siehe Cash. 7/2016). Aber es bleibt dabei: Trotz einiger Nachbesserungen erhöht die EEG-Reform die Risiken von Erneuerbare-Energien-Beteiligungen.

So müssen die Projektentwickler vor der Ausschreibung unter anderem ein geeignetes Grundstück identifizieren, sich dieses sichern, es entsprechend beplanen, ein Windgutachten einholen, sich eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) besorgen und eine Sicherheit stellen. Das ist ein ziemlicher Aufwand für ein Vorhaben, dessen Umsetzung in den Sternen steht. Hinzu kommt das Warten auf den nächsten Ausschreibungstermin und die Entscheidung der Behörde.

Wird der Zuschlag versagt, müssen die Entwickler die Kosten in den Wind schreiben. Vor allem für viele kleinere Unternehmen wird das ein Risiko sein, das sie kaum stemmen können. Sie werden wohl verstärkt versuchen, sich über Blind Pools entsprechendes Kapital zu besorgen – mit höchst ungewissem Ausgang für die Anleger.

Teurer statt billiger

Doch selbst dann, wenn der Entwickler die Kosten selbst vorfinanzieren kann: Er wird sich sein Risiko später von den Anlegern vergüten lassen und die Kosten gescheiterter Projekte auf andere, genehmigte Anlagen aufschlagen.

Damit ist nicht nur das Risiko verbunden, dass die Anlagen statt billiger zunächst wohl teurer werden. Vielmehr könnte der Projektentwickler auch verleitet werden, in der Ausschreibung eine eher geringe EEG-Vergütung pro Kilowattstunde zu verlangen, um den Zuschlag zu erhalten und dann gegenüber den Anlegern eine zu optimistische Prognose der produzierten Strommenge aufzustellen, um trotzdem noch eine auskömmliche Rendite darstellen zu können.

Noch verstärkt wird dieses Risiko durch die derzeit extrem niedrigen Kreditzinsen, mit denen sich auch eine schwache Projektrendite auf dem Papier leicht auf ein spürbar höheres Niveau hebeln lässt. Der ohnehin hohe Fremdkapitalanteil der meisten Energiebeteiligungen wird wohl noch steigen. Das kann vor allem in Kombination mit einer zu optimistischen Ertrags- oder Kostenprognose ziemlich in die Hose gehen.

Semi-regulierte Vermögensanlagen

Der Zins-Hebel führt zudem dazu, dass auch künftige Emissionen geradezu in den nur semi-regulierten Bereich des Vermögensanlagengesetzes gedrängt werden. Für die voll regulierten alternativen Investmentfonds (AIF) gilt bei Publikumsplatzierungen eine Grenze von maximal 60 Prozent Fremdkapital, mit der sie voraussichtlich weiterhin nicht wettbewerbsfähig sein werden.

Darüber hinaus provoziert die Bundesregierung ausgerechnet mit den Erleichterungen für “Bürgerenergieprojekte” ein zusätzliches Risiko für Kapitalanleger. Diese Projekte benötigen unter anderem keine aufwändige BImSchG-Genehmigung schon vor der Ausschreibung und erhalten mit dem Zuschlag den höchsten Vergütungssatz zugesprochen, der in der betreffenden Runde zugeschlagen wurde (und nicht nur den von ihnen geforderten). Sie haben also einen durchaus spürbaren Vorteil.

Als “Bürgerenergieprojekt” gelten künftig aber nur Emissionen, an denen mindestens zehn natürliche Personen aus dem entsprechenden Landkreis beteiligt sind, die wenigstens 50 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen. Zudem müssen der Kommune mindestens zehn Prozent der Anteile angeboten werden.

Blindes Vertrauen externer Investoren?

Beteiligen sich externe Investoren, dürfen sie also nicht das Sagen haben – auch dann nicht, wenn sie z.B. durch stimmrechtslose Anteile den Großteil des Kapitals stellen. Sie müssen sich blind auf die Entscheidungen der Mitgesellschafter vor Ort verlassen.

Vor allem dann, wenn es sich dabei um die Landwirte handelt, die der Beteiligungsgesellschaft Grundstücke für die Anlagen verpachtet haben, kann die Konstellation leicht zu Interessenkonflikten führen. Aber auch andere Einheimische werden sich ihre Beteiligung sicherlich nicht selten durch Sonderkonditionen versüßen lassen, wenn sie dem Vorhaben dadurch zu dem Status eines “Bürgerenergieprojekts” verhelfen.

Nicht auszuschließen ist auch, dass sich im Landkreis nicht genügend Kapital einwerben lässt, aber nicht ausreichend viele auswärtige Investoren geneigt sind, den erforderlichen Status als “Anleger zweiter Klasse” zu akzeptieren. Dann platzt womöglich die Gesamtfinanzierung des Projekts – ein gewaltiges Risiko für die bereits beteiligten Anleger.

Ausweichen ins Ausland

Nun hat Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) mit der EEG-Reform nicht primär den Anlegerschutz im Visier. Vielmehr steht die Dämpfung der Kosten der Energiewende im Vordergrund. Abzuwarten bleibt, ob er wenigstens dieses Ziel erreicht.

Schließlich haben Privatanleger bislang einen großen Teil des Ausbaus der Erneuerbaren Energien in Deutschland finanziert. Nicht wenige von ihnen werden nun wohl ins Ausland ausweichen. Dass die Stromkonzerne, die von der EEG-Reform am ehesten profitieren, das am Ende wirklich kostengünstiger hinbekommen, ist keineswegs ausgemacht.

Über den Autor:

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Den Text im Original als PDF-Datei finden Sie HIER.

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