P&R-Container-Investment – ein betrügerisches „Schneeball-System“

Insolvenzverwalter will Forderungen der Anleger nicht anerkennen und kann geleistete Auszahlungen zurückverlangen.

KWAG-Pressemitteilung vom 16. 8. 2018

Bremen / München. Anleger, die bei der inzwischen insolventen P&R-Gruppe in Container investiert haben, müssen damit rechnen, dass der Insolvenzverwalter ihre Forderungen nicht anerkennt. Das geht aus einem mehrseitigen Schreiben hervor, das die Münchner Kanzlei Jaffé, die als Insolvenzverwalter bestimmt wurde, gegenwärtig an alle P&R-Anleger verschickt. Nach Ansicht von Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von der Bremer Kanzlei KWAG RECHTSANWÄLTE hat sich die Lage seit Eröffnung der P&R-Insolvenzverfahren dramatisch zu Lasten der Anleger verschärft. „Inzwischen steht fest, dass es sich um ein betrügerisches Schneeball-System gehandelt hat.“ Zudem habe offenbar kein Anleger juristisch gesehen Eigentum an Containern erworben. Das führt laut Ahrens dazu, dass die Anleger im Insolvenzverfahren sehr wahrscheinlich leer ausgehen werden. Mehr noch, neben dem Totalverlust ihres Kapitals, droht ihnen jetzt sogar weiterer Schaden. „Der Insolvenzverwalter kann bereits ausgezahlte Mieteinnahmen von den Anlegern zurückfordern, weil für die Zahlungen rechtlich kein Grund vorhanden war und ist.“

Den Schreiben liegt außerdem jeweils eine bereits vorausgefüllte Forderungsanmeldung bei, die von den Anlegern unterzeichnet werden soll. Damit verzichten sie auch auf bestimmte Rechte. Ahrens rät deshalb dringend davon ab, die vorgefertigten Formulare zu unterschreiben. „Zum einen sollen die Anleger von der Geltendmachung von sogenannten Aussonderungsrechten abgehalten werden, zum anderen sind in die Vordrucke Forderungen eingetragen, die der Insolvenzverwalter nach eigener Aussage dann höchstwahrscheinlich bestreiten wird.“ Eine bestrittene Forderung wird laut Ahrens im Insolvenzverfahren aber gar nicht berücksichtigt. „Das heißt, die Anleger sehen kein Geld aus der Insolvenzmasse.“ Obendrein sind in den Formularen seiner Ansicht nach zu geringe Forderungen aufgelistet.

Anleger seien deshalb gut beraten, ihre Forderung individuell zur Insolvenztabelle anzumelden. Die Prüfung der Ansprüche sei allerdings schwierig. Wegen der nicht vertraglich vereinbarten Rückkaufspreise für die Container sei auch die Höhe der Schadensersatzansprüche nicht leicht zu ermitteln.

Auch der Insolvenzverwalter habe inzwischen festgestellt, dass mindestens eine Million Container fehlen. „Sie existieren offenbar nur auf dem Papier“, sagt Ahrens unter Bezug auf das Schreiben aus München. Daher sei abzusehen, dass die noch vorhandene Masse überhaupt nicht ausreiche, die Forderungen der Gläubiger zu begleichen. Der P&R-Insolvenzverwalter wolle die Ansprüche der Anleger aber ohnehin nicht anerkennen und begründet das eben mit der Feststellung, es sei kein Eigentum an den Containern erworben worden.

P&R-Anleger haben laut Ahrens aber dennoch Chancen, ihr Kapital zu retten. Es bestehen nach Ansicht des Bremer Fachanwalts für Bank- und Kapitalmarktrecht Schadensersatzansprüche gegen den Vertrieb und gegen Anlageberater. Viele Banken und Sparkassen hätten ihren Kunden die P&R-Container-Direkt-Investments empfohlen. Dabei sei häufig nicht korrekt über Risiken aufgeklärt worden. „Wäre die vertragliche Konstellation von den Beratern auch nur oberflächlich geprüft worden, wäre sehr schnell klar gewesen, dass die Anleger tatsächlich überhaupt kein Eigentum an Containern erwerben“, sagt Ahrens. Eine mangelhafte Plausibilitätsprüfung begründe Schadensersatzansprüche. KWAG RECHTSANWÄLTE vertritt bereits zahlreiche Mandanten in dieser Sache.

Die Insolvenzen in der P&R-Gruppe aus Grünwald bei München können sich zum größten Anlageskandal der deutschen Geschichte entwickeln - noch weit vor Prokon und Göttinger Gruppe. Betroffen sind fast 55.000 Anleger, die zusammen wahrscheinlich bis zu 3,5 Milliarden Euro in Container investiert haben. Für mehrere zentrale Firmen des Anbieters von Direkt-Investments in Schiffscontainer sind Ende Juli die Insolvenzverfahren eröffnet worden. P&R-Anleger können jetzt bis Mitte September ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden. Für Ende Oktober ist die erste Gläubigerversammlung in München geplant.

JHA / kg 16. 8. 2018

Die KWAG-Presemitteilung als PDF-Datei finden Sie HIER.