US-Milliardär J. C. Flowers investiert Millionen in deutsche Problemfonds

Der US-Finanzinvestor J. Christopher Flowers, der schon Milliarden mit deutschen Finanzwerten wie der HSH Nordbank sowie der HRE verlor, will es nochmal wissen. Der Ex-Goldman-Sachs-Banker will Tausenden Anlegern geschlossener Fonds ihre Anteile abkaufen.

Hamburg - Im kriselnden Schifffahrts- und Schiffsfondsmarkt befinden sich internationale Finanzinvestoren bereits seit einiger Zeit auf Schnäppchenjagd - jetzt tauchen sie auch an anderer Stelle im Geschäft mit geschlossenen Fonds auf: Der US-amerikanische Milliardär J. Christopher Flowers, Ex-Goldman-Sachs-Banker und Gründer der Investmentsgesellschaft J. C. Flowers Co. mit Sitz in New York, will einen hohen Millionenbetrag in Anteile solcher Fonds in Deutschland investieren.

Konkret geht es Flowers um sogenannte Lebensversicherungs-Policenfonds (LV-Fonds) der Hamburger MPC Capital AG. Über eine Luxemburger Gesellschaft hat er den Anlegern der LV-Fonds MPC Leben plus 4, 5 und 6 bereits konkrete Angebote unterbreitet, ihre Anteile zu erwerben.

Wie MPC-Vorstand Roman Rocke zu manager magazin online sagte, plant Flowers auf diese Weise Fondsanteile im zweistelligen Millionen-Euro-Volumen zu erwerben. Insgesamt hatten in die genannten drei Fonds rund 12.500 Anleger ursprünglich etwa 327 Millionen Euro an Eigenkapital eingezahlt.

Flowers könnte Fonds komplett übernehmen.

Laut Rocke könnte dies zudem kein Einzelfall bleiben. MPC sei im Gespräch mit weiteren institutionellen Investoren, die möglicherweise ähnliche Kapitalanlagen tätigen wollten, so der Vorstand. Wichtig sei es für das Emissionshaus dabei, die Rechte und Anforderungen der bestehenden Anleger zu beachten. Nach Einschätzung Rockes strebt Flowers in keinem der anvisierten Fonds die Mehrheit der Anteile an.

Ein Griff zum Taschenrechner zeigt allerdings: Sollte Flowers sein potenzielles Kaufvolumen voll ausschöpfen und entsprechend viele Gesellschafter dem Verkauf ihrer Anteile zustimmen, so hätte der Investor angesichts der gebotenen niedrigen Kaufkurse durchaus die Möglichkeit, die drei MPC-Fonds vollständig zu übernehmen. Angeboten zufolge, die manager magazin online vorliegen, bietet Flowers beispielsweise im Fonds Leben plus 5 einen Kaufpreis von 18 Prozent des Nominalwertes, beim Leben plus 4 sind es 14 Prozent.

Zum Hintergrund: Lebensversicherungs-Policenfonds waren vor einigen Jahren ein Modeprodukt am Markt für geschlossene Fonds. Die Beteiligungsgesellschaften kauften Versicherten ihre Lebensversicherungspolicen ab und stellten auf diese Weise ganze Portfolien solcher Versicherungsverträge zusammen. Das geschah sowohl auf dem deutschen als auch auf dem britischen und US-amerikanischen Zweitmarkt für Lebensversicherungen.

Im vorliegenden Fall handelt es sich um Fonds mit deutschen Versicherungspolicen. Die Idee war es ursprünglich, diese Versicherungsverträge bis zur Fälligkeit aus Fondsgeldern weiter zu bedienen und dann die Ablaufleistung zu kassieren. Um die erhoffte Rendite zu steigern, wurde dabei auch Fremdkapital eingesetzt.

Flowers schielt auf Steuervorteile.

Soweit bekannt ging dieses Kalkül jedoch bei wohl keinem einzigen Versicherungsfonds auf. Die Erträge der Policen blieben vielmehr hinter den Erwartungen zurück und mit ihnen auch die Ergebnisse für die Anleger.

MPC Capital gehörte vor einigen Jahren zu den ganz großen Anbietern geschlossener Fonds in Deutschland. Eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen bis heute mehr als 300 Kapitalanlagen aufgelegt. Mehr als 180.000 Kunden haben rund acht Milliarden Euro in MPC-Produkte investiert, so das Unternehmen auf seiner Website. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich demnach auf rund 19 Milliarden Euro.

Auch auf dem Markt für deutsche LV-Fonds war MPC sehr aktiv. Insgesamt emittierte das Fondshaus in dem Bereich zwölf Beteiligungsgesellschaften, in die 22.400 Investoren 583 Millionen Euro Eigenkapital einzahlten.

Auch die Investoren, die sich an den LV-Fonds von MPC beteiligt haben, stehen allerdings bislang deutlich schlechter da als erwartet. Im Fonds MPC Leben plus 2 wird vor dem Hintergrund gegenwärtig über die vorzeitige Auflösung der Fondsgesellschaft nebst Stornierung aller im Portfolio befindlicher Policen abgestimmt.

Die Kaufofferte von J. C. Flowers stellt die Gesellschafter der Fonds Leben plus 4, 5 und 6 lediglich vor die Frage, wie hoch der Verlust ausfallen soll: Der Investor bietet zum Beispiel beim Fonds MPC Leben Plus 5 einen Kaufkurs von 18 Prozent des Nominalwertes der Anteile. Das ist ungefähr das Niveau, zu dem die Anteile auch auf dem freien Zweitmarkt gehandelt werden - vorausgesetzt, dort findet sich ein Käufer.

Anlegeranwalt rät vom Verkauf ab.

Inklusive bereits erhaltener Ausschüttungen und Erträge kämen die Anleger der Kalkulation zufolge, die manager magazin online vorliegt, beim Verkauf an Flowers auf Rückflüsse von maximal etwa 60 Prozent ihrer ursprünglichen Eigenkapitaleinlage.

Sollten die Gesellschafter dagegen nicht verkaufen, haben sie laut Kalkulation die Aussicht, insgesamt mehr als 80 Prozent des ursprünglichen Einsatzes zurückzuerhalten. Sicher ist das aber noch nicht, denn ein erheblicher Teil dieser Rückflüsse soll erst in den kommenden Jahren stattfinden.

Was also tun? Anlegeranwalt Jens-Peter Gieschen von der Kanzlei KWAG in Bremen hat sich die Offerten des laut "Forbes" privat 1,4 Milliarden Dollar schweren J.C. Flowers bereits angeschaut und kommt zu einem kritischen Urteil: Er vermutet, Flowers mache dabei ein gutes Geschäft und rät Investoren von der Annahme der Offerte ab.

Tatsächlich können die Investments für Flowers trotz der mäßigen Fondsperformance attraktiv sein, so MPC-Vorstand Rocke. Der Grund: In den möglichen Rückflüssen für die Anleger ist regelmäßig ein großer Anteil enthalten, der auf die Erstattung geleisteter Kapitalertragsteuern zurückgeht. Diese Steuerrückerstattung nehmen einige Privatinvestoren nicht in Anspruch, so Rocke. Deren Fondsergebnis falle dann unter dem Strich niedriger aus.

Investor Flowers jedoch, der hierzulande vor einigen Jahren mit unglücklichen Milliarden-Beteiligungen an der HSH Nordbank sowie an der Krisen-Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) für Schlagzeilen sorgte, dürfte sich diese Gelder kaum entgehen lassen. Er werde zweifellos die Steuererstattung kassieren, so Rocke. Im Zusammenspiel mit Skalen- und Volumeneffekten gehe dann die Rechnung für ihn auf.