MPC-Lebensversicherungsfonds. Anleger bereiten Sonderprüfung vor. Betrugsverdacht soll überprüft werden.

KWAG Rechtsanwälte: Angebliche Einkaufsvorteile zu hoch angesetzt und deshalb nicht realisierbar. Bereits beim Ankauf der Policen fehlten 529 Millionen Euro an den in Aussicht gestellten Ausschüttungen.

Für mehr als 20.000 private Anleger, die über 600 Millionen Euro in Lebensversicherungsfonds des Hamburger Initiators MPC Capital investiert haben, bestanden von vornherein nur sehr geringe Chancen auf die in den Verkaufsprospekten in Aussicht gestellten Erträge. Im Gegenteil. Nach Erkenntnissen der auf die Interessenvertretung von Investoren spezialisierten KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Bremenwaren bereits von Beginn an große Ausschüttungsverluste programmiert, selbst wenn die prospektierte äußerst positive Zinsentwicklung eingetreten wäre.

Im Auftrag von Mandanten, die sich an den MPC-Lebensversicherungsfonds V bis VII beteiligt haben, hat KWAG daher alle Anleger dieser Fonds angeschrieben und um Unterstützung für einen Antrag zur Durchführung einer Sonderprüfung bei diesen Fonds gebeten. Die Unterstützung aus Anlegerkreisen ist überwältigend. Schon nach wenigen Tagen haben sich mehr als 700 Anleger für eine solche Sonderprüfung ausgesprochen.

Im Kern geht es um den Vorwurf, dass MPC den zu erzielenden Einkaufsvorteil beim Ankauf gebrauchter Lebensversicherungen bewusst zu hoch angesetzt und damit die Anleger über die tatsächlich zu erzielenden Renditen getäuscht haben könnte.

KWAG-Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Jens-Peter Gieschen: „Wir haben die von MPC veröffentlichten Zahlen nachrechnen lassen und kommen zu dem Ergebnis, dass die in den Prospekten dargestellten Renditen völlig unrealistisch und in dieser Form auch nie zu erreichen gewesen sind. Sollte sich dieses Ergebnis in der Sonderprüfung bestätigen, wird man hier von einem großangelegten Betrugsfall reden müssen. Dann würde diese Fondsgruppe ein Fall für den Staatsanwalt.“

„In jedem dieser Fonds verlieren die Anleger Kapital, zum Teil mehr als die Hälfte dessen, was sie einmal eingesetzt haben“, fährt Gieschen fort. Diese Verluste würden vom jeweiligen Fondsmanagement auf die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen zurückgeführt, die zu niedrigen Überschüssen bei den Versicherungsunternehmen geführt hätten. Den weitaus größeren Anteil an den Verlusten der Anleger haben in Wirklichkeit aber nach Erkenntnissen von KWAG die wesentlich zu hoch angesetzten und deshalb nicht realisierbaren Einkaufsvorteile.

„Die Diskrepanz zwischen geplanten und tatsächlich erzielbaren Einkaufsvorteilen hätte MPC nach dem Einkauf der Policen für den ersten aufgelegten Fonds mit deutschen Lebensversicherungen im Jahr 2002 frühzeitig erkennen und bei den späteren Fonds berücksichtigen können. Dann wäre den Anlegern viel Verlust erspart geblieben“, sagt KWAG-Partner Jens-Peter Gieschen.

MPC selbst hatte in den Werbeschreiben zu den Fonds immer wieder auf den angeblichen „Einkaufsvorteil“ abgestellt. So heißt es beispielsweise in einer Informationsschrift zum „MPC Rendite-Fonds Leben Plus II“:

„Im Einkauf liegt der Gewinn. Die Rendite wird bei diesem Beteiligungsangebot hauptsächlich durch den günstigen Einkauf der Kapitalversicherungen erzielt. ... Da der Rückkaufswert, der als Basis für die Kaufpreisermittlung dient, weit unter dem tatsächlichen Wert des Versicherungsvertrages liegt, können die Verträge äußerst günstig erworben werden.“

Hinweise auf die Bedeutung der Differenz zwischen Rückkaufswert bzw. Einkaufspreis und dem geschätzten erworbenen Policenwert für die Rendite der MPC Lebensversicherungsfonds finden sich in allen Verkaufsprospekten zu diesen Fonds. In keinem Prospekt wird aber die Größe der Differenz zwischen geschätztem tatsächlichen Wert und Rückkaufswert, mit der im Verkaufsprospekt kalkuliert wurde, beziffert. Es wird auch in keinem späteren Jahresbericht mitgeteilt, wie hoch der geschätzte Wert der erworbenen Policen zum Ankaufszeitpunkt war. „Das Fondsmanagement hat auch trotz im Mandantenauftrag erfolgter Anfrage seitens KWAG weder Auskunft zu den im Prospekt geplanten noch zu den tatsächlich erworbenen Policenwerten erteilt“, kritisiert KWAG-Partner Gieschen.

Anhand von Berechnungen, die die aktuellen Ausschüttungsprognosen der Fonds berücksichtigen, hat das KWAG-Team festgestellt, dass bei den überprüften neun Fonds durch den „günstigen“ Einkauf insgesamt ein Wertvorteil von 444 Millionen Euro in die Prospektzahlen eingerechnet war und erzielt werden sollte. Tatsächlich muss aber nur ein Wertvorteil von etwa 147 Millionen Euro entstanden sein.

Konkret: Der eingekaufte Wert sollte um 444 Millionen Euro über den geplanten Rückkaufswerten liegen, muss aber nach KWAG-Berechnungen tatsächlich nur um etwa 147 Millionen Euro über den geplanten Rückkaufswerten gelegen haben. Dies bedeutet: „Hier fehlten also bereits zum Ankaufszeitpunkt der Policen 297 Millionen Euro Policenwert. Zusammen mit den auf diesen Betrag nicht zu verdienenden Zinsen fehlen damit bereits 529 Millionen Euro an den geplanten Ausschüttungen von 1,317 Milliarden Euro, das sind etwa 40 Prozent“, rechnet Gieschen vor. „Die verbleibenden geplanten Ausschüttungen in Höhe von 788 Millionen Euro würden dann nur zu Ausschüttungen vor Steuern in Höhe von etwa 130 Prozent auf das eingesetzte Kapital reichen, und damit wäre der Fonds bei einer Laufzeit von etwa 15 Jahren aus der Sicht der Jahre 2002 bis 2006 jegliche Attraktivität genommen“, fährt Gieschen fort.

Insgesamt sollten die neun Fonds laut Prospekten Ausschüttungen von 1,317 Milliarden Euro erwirtschaften. Nach den derzeitigen Prognosen sind aber nur Ausschüttungen in Höhe von 447 Millionen Euro zu erwarten, Tendenz fallend. Die Fondsleitung hat die Prognoseberechnungen trotz zweimaliger Anforderung nicht herausgegeben, so dass eine Plausibilitätsprüfung bisher nicht stattfinden konnte.

Die bisher prognostizierte Ausschüttungs-Differenz in Höhe von etwa 869 Millionen Euro entfällt nur zu 340 Millionen Euro auf die gegenüber den Verkaufsprospekten niedrigere Policenverzinsung. 529 Millionen Euro hingegen sind auf die offensichtlich nicht in ausreichender Höhe vorhandenen, aber in den Verkaufsprospekten kalkulierten Wertvorteile beim Einkauf zurück zu führen.

„Da der Misserfolg bei allen neun Fonds die gleiche Ursache hat, nämlich neben niedrigen Zinsen vor allem ungenügende Einkaufsvorteile, sollten sich möglichst viele Anleger zusammenschließen, um in allen betroffenen Fonds eine Sonderprüfung auf den Weg zu bringen“. So der Rat von Fachanwalt Jens-Peter Gieschen.

Die MPC Münchmeyer Petersen Capital Vermittlung GmbH ist eines der großen deutschen Emissionshäuser. Das Unternehmen initiierte in den Jahren 2002 bis 2006 zehn Fonds mit so genannten gebrauchten deutschen Kapital-Lebensversicherungen, die den Anlegern während der meist 15-jährigen Laufzeit Renditen von sechs bis acht Prozent in Aussicht stellten (berechnet nach der IRR Methode des „Internen Zinsfußes“). Neun dieser Fonds haben KWAG Rechtsanwälte näher untersucht, nämlich die MPC-Beteiligungen Rendite-Fonds Leben Plus, Leben Plus II, Leben Plus III, Leben Plus IV, Leben Plus V, Leben Plus VI, Leben Plus VII, Leben Plus Spezial und Leben Plus Spezial II.

„Die neun Fonds haben insgesamt mehr als 20.000 Anleger, die 608 Millionen Euro Kommanditkapital und Agio aufbrachten und dabei den MPC-Gesellschaften und den Vertriebsorganisationen 125 Millionen Euro mehr oder weniger risikofreier Einnahmen bescherten“ erklärt Jens-Peter Gieschen. Bei diesen Einnahmen handelt es sich um Kosten für Gründung (0,6 Mio. €), für Konzeption, Marketing, Prospekterstellung (4,25 Mio. €), für Kapitalbeschaffung (70,3 Mio. €), für Treuhandabwicklung (4,59 Mio. €), für Mittelverwendungskontrolle (0,422 Mio. €), für Sicherstellung der Gesamtfinanzierung (18,55 Mio. €), für rechtliche und steuerliche Beratung (2,64 Mio. €), für Fremdkapitalvermittlung (16,532 Mio. €) und für die Erstellung der Kreditverträge durch die finanzierenden Banken (6,95 Mio. €).