Markt für Mittelstandsanleihen im Umbruch

Auch wenn viele Handelsplätze faktisch tot sind, bedeutet das nicht das Aus für die Anlagegattung. Privatplatzierungen gewinnen an Bedeutung

Holger Hinz beweist Mut. "Ich bin überzeugt: Deutschland braucht einen Markt für Industrieanleihen auch aus dem Non-Investment-Grade Bereich - gerade vor dem Hintergrund der absehbaren Veränderungen der Finanzierungslandschaft auf der Bankenseite durch Basel III", sagt der Managig Director der Quirin-Bank. Die Wirklichkeit spricht dagegen: Abgesehen von den beiden Handelsplätzen Entry und Prime Standard der Frankfurter Börse tut sich an den Segmenten für Mittelstandsanleihen in Deutschland nichts mehr - und das schon seit einem Jahr.

"Die Mittelstandssegmente an den Börsen sind kaputt", urteilt Johannes Führ, der einst einen Fonds für Mittelstandsbonds managte. Viereinhalb Jahre nach dem Start des ersten Marktsegments für Mittelstandspapiere in Deutschland, de Stuttgarter Bondm, naht das End. "Die Mittelstandsanleihe wird in dieser Form für Privatanleger keine nennenswerte Zukunft haben", ist Jutta Korte-Pakebusch, Anlageexpertin der Vermögensverwaltung Consulting Team, überzeugt. Der Rückzug der enttäuschten Kleinanlege bedeutet jedoch nicht zwangsläufig das Aus für die Anlagegattung an sich. Vielmehr durchlebt der Markt nach Beobachtung manches Experten gerade einen Selbstreinigungs- und Reifeprozess. Am einen Ende nähern sich große Mittelstandsanleihen für institutionelle Investoren immer stärker klassischen Corporate Bonds an- und werden auch künftig in deren Segmenten gehandelt.

Am anderen Ende entwickelt sich ein Markt für Privatplatzierungen. Dabei muss das nicht automatisch höheres Risiko bedeuten, wie AGS Energy mit der Anleihe "Deutschland 1" mit einem Volumen von knapp drei Millionen Euro unter Beweis stellen will. Die Mindesteinlage beträgt 100.000 Euro. Das Unternehmen will mit dem Geld den Ankauf von acht bereits existierenden Photovoltaikanlagen mit garantierten Einspeisevergütungen in Nürnberg finanzieren. Vergleichsweise zurückhaltende fünf Prozent Rendite bei höchster Sicherheit stellen die geschäftsführenden Gesellschafter Jan-Henning Ahrens und Jens-Peter Gieschen in Aussicht. "Zins und Tilgung werden aus der festen Einspeisevergütung bedient, für deren Kalkulation wir nur 80 Prozent der Erlöse annehmen, die die Anlagen in den vergangenen Jahren tatsächlich erwirtschaftet haben", sagt Gieschen. 

Zusätzlichen Schutz soll eine All-Gefahren-Versicherung bieten. Angst vor de Scheitern, wie zuletzt manch anderer Umweltemittent, haben die beiden Bremer nicht. Einen Flop können sie sich nicht leisten. Im Hauptjob sind Ahrens und Gieschen Partner der Bremer Kanzlei KWAG - und vertreten als Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht die Interessen geprellter Anleger.