Landgericht Frankfurt: Commerzbank muss rund 1,2 Millionen Euro Schadensersatz wegen Falschberatung zahlen.

KWAG Rechtsanwälte: Verharmlosen des Verlustrisikos bei geschlossenen Fonds begründet Schadenseratzanspruch

Mit Urteil (Az. 2-21 O 479/11) vom 21.03.2014 hat das Landgericht (LG) Frankfurt/Main die Commerzbank wegen Falschberatung im Zusammenhang mit dem Erwerb eines geschlossenen Fonds zur Zahlung von rd. 1,2 Millionen Euro Schadensersatz verurteilt (Az. 2-21 O 479/11). Das Urteil wurde erstritten durch die auf die Interessenvertretung von Investoren spezialisierte KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Bremen.

 Darüber hinaus muss die Bank den Anleger von sämtlichen weiteren Schäden freistellen, die durch die Fremdfinanzierung der Beteiligung und die steuerlichen Auswirkungen entstanden sind oder entstehen könnten. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass die Bankberater im Beratungsgespräch die Verlustrisiken der Beteiligung verharmlost hatten. Wörtlich heißt es in dem Urteil: "Die Beklagte hat gegen die Pflicht zur ordnungsgemäßen Anlageberatung verstoßen, weil sie dem Kläger mündlich den Eindruck vermittelt hat, das Verlustrisiko sei begrenzt."

KWAG-Partner und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Jens-Peter Gieschen: " Die Verharmlosung von Verlustrisiken gehört schon fast zum Standardprogramm der Beratungsfehler beim Vertrieb von geschlossenen Fonds. Bei dieser Art der Beteiligungen ist immer ein Totalverlustrisiko gegeben. Ein Hinweis darauf findet sich aber häufig nur im Kleingedruckten der Beteiligungsprospekte. In der mündlichen Beratung wird dieser Hinweis dann als reine Formalie abgetan und ein tatsächliches Risiko negiert oder zumindest kleingeredet. Diese Beraterpraxis ist der Commerzbank nun zum Verhängnis geworden."

Auch im vorliegenden Fall fanden sich in dem Beteiligungsprospekt zwar Hinweise auf das Totalverlustrisiko, die mündliche Beratung hatte diese aber so verharmlosend dargestellt, dass-so das Landgericht-"sie der Kunde nicht mehr zu erkennenbrauchte.

Rechtsanwalt Gieschen: "Wir haben immer wieder die Fälle, in denen sich die Banken gegen den Vorwurf der Falschberatung damit verteidigen, dass das Totalverlustrisiko im Prospekt dargestellt und dieser Gegenstand der Beratung geworden sei. Dieser Argumentation hat das Landgericht Frankfurt jetzt eine Absage erteilt. Es gilt das gesprochene Wort."

Dem noch nicht rechtskräftigen Urteil könnte durchaus eine gewisse Signalwirkung zukommen. Das KWAG-Team hat in den vergangenen Jahren mehrere Tausend Fälle aus dem Bereich der geschlossenen Fonds vor Gericht vertreten. Die Erfahrung zeigt, dass diese Produkte sich in der Regel nur dann verkaufen lassen, wenn man dem Anlegerdie tatsächlichen Risiken verschweigt. "Diese fehlerhafte Beraterpraxis könnte sich nun zum Bumerang für all die Banken erweisen, die in