KWAG-INFO: Widerruf erklärt, Widerruf akzeptiert.

Darlehensnehmer von Volksbanken aufgepasst: Eine höchst interessante Wendung nahm jetzt der Fall eines Mandanten zum Thema „Darlehenswiderruf“, von der auch andere Kreditnehmer profitieren können.

Von KWAG-Rechtsanwältin Christina Gladkich

Die Fakten:

Nachdem die Bank zunächst den Darlehenswiderruf im außergerichtlichen Verfahren stur abgelehnt hatte, hat sie ihn nun kurz nach Klageerhebung akzeptiert und das Darlehen abgerechnet. Unser Mandant wird aus dem Vertrag entlassen und erhält Nutzungsersatz und Zinsen erstattet. Streitgegenstand war die Widerrufsbelehrung einer Volksbank in Hessen.

Um welche Widerrufsbelehrung geht es?

Die betroffene Widerrufsbelehrung haben wir hier für Sie dargestellt:

Widerrufsrecht

Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z.B. Brief, Fax, E-Mail) widerrufen. Sofern Sie nicht taggleich mit dem Vertragsabschluss über Ihr Widerrufsrecht belehrt worden sind, beträgt die Frist einen Monat. Der Lauf der Frist beginnt mit Aushändigung der Ausfertigung der Vertragsurkunde und dieser Information über das Recht zum Widerruf an den Darlehensnehmer. Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

Unsere Argumentation war, dass aus der Belehrung nicht klar erkennbar ist, wann die Frist denn tatsächlich zu laufen beginnt. Die Formulierung „Der Lauf der Frist beginnt mit Aushändigung der Ausfertigung der Vertragsurkunde und dieser Information über das Recht zum Widerruf an den Darlehensnehmer“ könnte sich aufgrund des Satzbaus nämlich auf die zweiwöchige, aber auch auf die Monatsfrist beziehen.

Um rechtsgültig zu sein, müssen die Formulierungen aber eindeutig sein.

Was ist das Besondere an diesem Fall?

Das Verhalten der Bank ist ungewöhnlich, denn in der Regel vergleichen sich die Parteien bereits im außergerichtlichen Verfahren oder aber nach Klageerhebung. Dass eine Bank den Widerruf tatsächlich akzeptiert, haben wir bei jahrelanger Erfahrung mit Widerrufen so zum ersten Mal erlebt.

Was können Sie selbst tun?

Der Widerruf der Erklärung zum Abschluss eines Darlehensvertrages lohnt sich vor allem für Alt-Verträge, für die Darlehensnehmer noch hohe Zinsen zahlen. Durch einen Widerruf erhalten Sie die Möglichkeit zur Umschuldung und in den meisten Fällen bares Geld zurück, durch Nutzungsersatz und den Wegfall der Vorfälligkeitsentschädigung. Diese müssten Sie normalerweise zahlen, wenn Sie außerplanmäßig und vor Ablauf Ihrer jeweiligen Zinsbindungsfrist kündigen wollen.

Denken auch Sie über einen Widerruf nach?

Auch nach dem 11.06.2010 abgeschlossene Darlehensverträge lassen sich noch widerrufen. Lesen Sie dazu mehr in unserer Website. Wenn Sie Ihren Vertrag überprüfen lassen möchten, senden Sie uns gerne Ihre Unterlagen zu.

Eine Ersteinschätzung ist kostenlos.

Ihre Ansprechpartnerin zum Thema Darlehenswiderruf ist KWAG-Rechtsanwältin Christina Gladkich.

26. 6. 2019

Das KWAG-INFO steht Ihnen  HIER  als PDF-Datei zum Donwload zur Verfügung.