„P&R-Container-Investments größtenteils verloren.“

KWAG-Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens: Den meisten Anlegern gehören keine Container. Schadensersatzansprüche gegen Anlagevermittler möglich.

KWAG-Pressemitteilung vom 23. 4. 2018

Bremen/München. Die meisten Anleger, die über die P&R Gruppe in Container investiert haben, müssen damit rechnen, dass ihr Kapital höchstwahrscheinlich verloren ist. „Die von uns geprüften Verträge zeigen, dass die Anleger überwiegend nicht Eigentümer der von ihnen finanzierten Container geworden sind“, sagt Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von der Bremer Kanzlei KWAG – RECHTSANWÄLTE.

Die Verträge zwischen Anlegern und den P&R Gesellschaften weisen nach Ansicht des Fachanwalts für Bank- und Kapitalmarktrecht schwerwiegende Mängel auf. Das würde dazu führen, dass zumindest für diejenigen, die seinerzeit nicht ausdrücklich ein Eigentumszertifikat angefordert hätten, auch kein Eigentum an den Containern übertragen wurde. Das Problem: Ohne die konkrete Zuordnung ist nicht erkennbar, welche Container den jeweiligen Anlegern tatsächlich gehören. Ahrens: „Das ist aber erforderlich, um einen gesetzlichen Eigen-tumsanspruch zu begründen, der die Position im Insolvenzverfahren erheblich stärken wür-de.“ Etwa um über die weitere Verwendung der Container bestimmen zu können. Anleger ohne entsprechendes Zertifikat hätten lediglich einen Anspruch an die Insolvenzmasse und würden deshalb nur quotal befriedigt, sagt Ahrens. Er befürchtet allerdings, dass es für die P&R-Anleger am Ende wenig zu verteilen gibt.

Auch der eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter habe bestätigt, dass größtenteils eine konkrete Zuordnung der Container zum jeweiligen Anleger nicht möglich sei und deshalb auch eine konkrete Zuordnung der  Mieteinnahmen für den Anleger ausscheide. Das bedeu-tet laut Ahrens, dass der Insolvenzverwalter aktuell weiter Container-Mieten von Leasingge-sellschaften und Transportunternehmen für die P&R Gruppe kassiert, aber den vertraglich vereinbarten Anteil nicht an die Anleger auszahlen muss.

Drei Gesellschaften des größten Anbieters von Direkt-Investments in Container, der P&R Gruppe aus Grünwald bei München, haben kürzlich Insolvenzanträge gestellt. P&R betreut nach eigenen Angaben mehr als 50.000 Anleger mit rund 1,25 Millionen Containereinheiten und will in den letzten zehn Jahren ein Verkaufsvolumen von mehr als sieben Milliarden Euro abgewickelt haben. Damit könnte sich der Fall zum größten Anleger-Desaster der jüngeren Geschichte entwickeln.

Laut Rechtsanwalt Ahrens können betroffene Anleger jetzt nur die zugesicherte Garantie-Miete einfordern oder ihren Schadensersatzanspruch zur Insolvenztabelle anmelden, sobald das Verfahren offiziell eröffnet ist.

Unabhängig davon könnten aber Anleger, die über Vermittler ein Container-Direktinvestment getätigt haben, Schadensersatzansprüche geltend machen. Ahrens: „Egal, ob Bank oder Sparkasse, alle Anlagevermittler sind verpflichtet, das angebotene Produkt auf Plausibilität zu prüfen.“ Sie hätten ohne weiteres erkennen können, dass Anleger – wenn überhaupt – nur bedingt Eigentümer der Container wurden und hätten auf das rechtliche Problem hinweisen müssen. „Allein daraus entsteht ein Schadensersatzanspruch gegen den Vertrieb“, sagt Ahrens. Anleger könnten somit die Rückzahlung des Kaufpreises verlangen abzüglich der erhaltenen Mieten. Er rät allen betroffenen P&R-Anlegern, umgehend ihre Ansprüche prüfen zu lassen.

JHA / kg, 23. 4. 2018

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