Gericht benennt Santa-P-2-Musterkläger

KWAG-Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens zum Beschluß des Oberlandesgerichts Hamburg, nach dem nun das Prospekthaftungverfahren wegen MPC-Schiffsbeteiligungen inhaltlich beginnen kann.

KWAG-Pressemitteilung vom 17. 8. 2017

Bremen. Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) in Hamburg hat jetzt einen Musterkläger in Sachen Santa-P-2-Schiffsfonds bestimmt. Damit kann nun ein sogenanntes Kapitalanleger-Musterverfahren gegen die Fondsinitiatoren und Banken auch inhaltlich beginnen. Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von der Bremer Kanzlei KWAG – Rechtsanwälte, die den Musterkläger vertritt, spricht von einer „Sammelklage light“: „Solange es im deutschen Recht noch keine Sammelklage gibt, ist ein KapMuG-Verfahren zumindest eine gewisse Erleichterung für geschädigte Fondsanleger.“

Durch das Kapitalanleger-Musterverfahrens-Gesetz (KapMuG) wurde die Möglichkeit geschaffen, dass sich geschädigte Anleger zu Gruppen zusammenfinden und ihre Rechte dann gemeinsam durchsetzen können. Das KapMuG-Verfahren ähnelt der aus dem US-amerikanischen Recht bekannten Sammelklage. Voraussetzung sind sogenannte Prospektfehler, die Schadensersatzansprüche von Anlegern begründen.

Der Musterkläger, ein Kieferchirurg aus München, wirft unter anderem der Hamburger MPC Capital Investment GmbH vor, der von ihr herausgegebene Fondsprospekt für die Beteiligung „Santa-P-Schiffe 2“ sei an mindestens 15 Stellen fehlerhaft. Er klagt laut Rechtsanwalt Ahrens auf Rückabwicklung seiner Beteiligung in Höhe von 100.000 Euro zuzüglich Agio. Die Kanzlei vertritt in dieser Sache mittlerweile rund 200 Kläger. Sogenannte Musterbeklagte sind neben der MPC Capital Investment GmbH auch die Reederei Claus-Peter Offen, die Treuhänderin TVP, sowie mehrere Banken, die den Fonds vertrieben haben. Darunter sind die Norddeutsche Landesbank NORD/LB, die Postbank und mehrere Privatbanken, die Anleger falsch beraten haben sollen.

Ahrens: „Im Musterverfahren wird jetzt verbindlich festgestellt, ob Prospektfehler vorliegen.“ Alle Santa-P-2-Anleger, deren Ansprüche noch nicht verjährt sind, könnten sich dem Verfahren jetzt anschließen, ohne selbst klagen zu müssen, was das Kostenrisiko erheblich verringere. Die Anmeldung der Schadensersatzansprüche, der sogenannte Beitritt zum Verfahren, muss durch einen Rechtsanwalt erfolgen. Außerdem eröffnet ein KapMuG-Verfahren auch den direkten Weg bis zum Bundesgerichtshof, dem höchsten deutschen Zivilgericht.

„Allerdings werden von der Entscheidung nur jene Anleger profitieren, die sich dem Musterverfahren angeschlossen haben“, warnt Rechtsanwalt Ahrens. Nur zusehen allein reiche nicht. Natürlich sei jetzt auch noch eine eigene Klage möglich, aber nicht zwingend erforderlich.

Der MPC-Fonds „MS Santa P-Schiffe 2“ hat das Geld der Investoren in vier Vollcontainerschiffe gesteckt, die „Panamax-Schiffe“ genannt werden. Seinerzeit die größten Containerfrachter, die den Panamakanal passieren konnten. „Allerdings waren die MPC-Schiffe bereits beim Erwerb betriebswirtschaftlich veraltet“, sagt Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Schon vor der Emission sei mit dem lange angekündigten Ausbau des Panamakanals begonnen worden. „Mittlerweile passieren Panamax-Klasse-2-Schiffe mit fast dreifacher Ladekapazität problemlos den erweiterten Kanal.“

Bereits im Jahr 2009 habe die Fondsgesellschaft ihre prognostizierten Ausschüttungen eingestellt. Auch seien die Anleger nicht über die hohen Risiken von Schiffsbeteiligungen aufgeklärt worden. Laut Ahrens hat erst kürzlich das Landgericht Schleswig in einem Urteil festgestellt, dass Schiffsfonds zur Altersvorsorge ungeeignet seien.

Für die Anleger sei der im Jahr 2007 mit dem Versprechen einer sicheren Kapitalanlage und guter Rendite aufgelegte MPC-Schiffsfonds ein Desaster, sagt Ahrens. „Schon damals waren deutliche Warnzeichen zu erkennen.“ Trotzdem sei vollmundig behauptet worden, stolze 235 Prozent des Einsatzes werde an die Anleger zurückfließen. „Jetzt droht ihnen der Totalverlust, denn mittlerweile ist bei manchem Anleger bereits die absolute Verjährung eingetreten, die auf den Tag genau zehn Jahre nach Zeichnung der Anlage greift.“

JAH/kg . 17. 8. 2017

Die KWAG-Pressemitteilung als PDF-Datei finden Sie HIER.

Den Beschluss des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg können Sie HIER einsehen.