BGH urteilt zum Beginn der Verjährung des Rückabwicklungssanspruchs nach erfolgtem Widerspruch des Versicherungsnehmers

Hinsichtlich der Frage des Beginns der Verjährung des Rückabwicklungsanspruchs nach einem Widerspruch gem. § 5a VVG a.F. hat der BGH in einem am 8.4.2015 verkündeten, aber noch nicht schriftlich vorliegenden Urteil entschieden, dass der von dem Kläger erklärte Widerspruch - ungeachtet des Ablaufs der in § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. normierten Jahresfrist - rechtzeitig war und infolgedessen der zwischen den Parteien geschlossene Versicherungsvertrag nicht wirksam zustande gekommen ist.

 

Daraus folgt dass in Fällen der vorliegenden Art grundsätzlich ein Widerspruchsrecht fortbesteht, wenn der Versicherungsnehmer nicht ordnungsgemäß über dieses belehrt worden ist und/oder die Verbraucherinformation oder die Versicherungsbedingungen nicht erhalten hat.

Der Rückgewähranspruch war bei Erhebung der Klage im April 2011 nicht verjährt. Zu diesem Zeitpunkt war die maßgebliche regelmäßige dreijährige Verjährungsfrist nicht abgelaufen. Die Regelverjährung begann mit dem Schluss des Jahres 2008. Der Bereicherungsanspruch entstand im Sinne des § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB, als der Kläger mit Schreiben vom 5. Juni 2008 den Widerspruch erklärte und damit dem bis dahin schwebend unwirksamen Versicherungsvertrag endgültig die Wirksamkeit versagte. Erst durch den Widerspruch wurde der Schwebezustand beendet und Klarheit geschaffen, dass dem Versicherer die geleisteten Prämien nicht zustanden. Erst nach der Entscheidung des Versicherungsnehmers, den Widerspruch zu erklären, stand fest, dass der Vertrag, den die Parteien bis dahin wie einen wirksamen Vertrag durchgeführt hatten, endgültig unwirksam war.

Nach der Zurückverweisung muss das Berufungsgericht nun die Frage der Ordnungsgemäßheit der Widerspruchsbelehrung sowie - soweit gegeben - die Höhe des Rückgewähranspruchs klären.

BGH, Urteil vom 8. April 2014 – IV ZR 103/15 (Pressemitteilung des BGH)