Fehlerhafte Anlageberatung Kick back-Rechtsprechung des BGH erstmals auf freie Finanzberater ausgeweitet

LG Berlin verurteilt Finanzvertrieb X. AG zu rund 30.000 Euro Schadenersatz. Provisionen bei der Vermittlung des Lebensversicherungsfonds „ BAC Life Trust 6 GmbH & Co. KG“ verschwiegen

(Bre­men, 11. Ja­nu­ar 2013) Unter dem Ak­ten­zei­chen 2 O 158/12 hat das Land­ge­richt (LG) Ber­lin den Fi­nanz­ver­trieb X  AG zu rund 30.000 Euro Scha­den­er­satz ver­ur­teilt. Mit die­ser Ent­schei­dung wurde das so ge­nann­te Kick back-Ur­teil des BGH erst­mals auf einen frei­en Fi­nanz­ver­trieb aus­ge­wei­tet. Das Ber­li­ner Land­ge­richt at­tes­tier­te einem X AG-Mit­ar­bei­ter feh­ler­haf­te An­la­ge­be­ra­tung. Bei der Ver­mitt­lung einer Be­tei­li­gung am Le­bens­ver­si­che­rungs­fonds „BAC Life Trust 6 GmbH & Co. KG“ war der Klä­ge­rin die Pro­vi­si­ons­hö­he, die der Fi­nanz­ver­trieb für die Ver­mitt­lung von Fonds­an­tei­len er­hal­ten hatte, ver­schwie­gen wor­den.

„Ob­wohl es vor dem LG Ber­lin um einen Ein­zel­fall ging, dürf­te die Ent­schei­dung po­si­ti­ve Fol­gen für tau­sen­de In­ves­to­ren haben, die sich auf Emp­feh­lung von frei­en Fi­nanz­ver­trie­ben an Ge­schlos­se­nen Fonds be­tei­ligt hat­ten und sich nun er­heb­li­chen Ver­lus­ten ge­gen­über sehen“, er­klärt Jens-Pe­ter Gie­schen, Fach­an­walt für Bank- und Ka­pi­tal­markt­recht sowie Part­ner der auf die In­ter­es­sen­ver­tre­tung von In­ves­to­ren spe­zia­li­sier­ten KWAG Kanz­lei für Wirt­schafts- und An­la­ge­recht in Bre­men. Das Land­ge­richt Ber­lin klas­si­fi­zier­te den frei­en Fi­nanz­ver­trieb X AG als Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men, „auf den die Kick back-Recht­spre­chung des BGH an­zu­wen­den ist“, be­tont Gie­schen. Grun­sätz­lich müs­sen Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men und Ban­ken bei der Ver­mitt­lung von An­tei­len an Ge­schlos­se­nen Fonds ihre Kun­den über er­hal­te­ne Rück­ver­gü­tun­gen, so ge­nann­te Kick-backs, in­for­mie­ren müs­sen (Ur­teil vom 15. April 2010, Az.: III ZR 196/09).

Im vor­lie­gen­den Fall hatte der Fi­nanz­ver­trieb X AG ein­ge­räumt, für die er­folg­rei­che Ver­mitt­lung der Fonds­be­tei­li­gung eine Pro­vi­si­on in Höhe von 7,5 Pro­zent der Zeich­nungs­sum­me er­hal­ten zu haben. In sei­ner Ur­teils­be­grün­dung ver­wies das Land­ge­richt Ber­lin dar­auf, der be­klag­te Fi­nanz­ver­trieb X AG habe „letzt­end­lich sel­ber ein­ge­räumt“, dass die An­le­ge­rin und Klä­ge­rin nicht über die Höhe der Pro­vi­si­on in­for­miert wor­den war.

Die Klä­ge­rin wie­der­um hätte nach ei­ge­nen An­ga­ben im Wis­sen einer hohen Pro­vi­si­on die Fonds­be­tei­li­gung nicht ge­zeich­net. Und sich statt­des­sen für ein In­vest­ment ent­schie­den, das zum Einen si­cher sein und zum An­de­ren min­des­tens vier Pro­zent Zin­sen im Jahr ab­wer­fen soll­te. Die bei der Fonds­be­tei­li­gung in Aus­sicht ge­stell­te Ren­di­te von 19 Pro­zent im Jah­res­schnitt sei je­doch mit einer si­che­ren An­la­ge­stra­te­gie nicht zu er­zie­len.

„Prak­tisch alle Le­bens­ver­si­che­rungs­fonds des An­bie­ters BAC, Ber­lin At­lan­tic Ca­pi­tal, sind für In­ves­to­ren eine fi­nan­zi­el­le Ka­ta­stro­phe“, er­klärt KWAG-Part­ner Jens-Pe­ter Gie­schen. Des­halb rät er be­trof­fe­nen An­le­gern, schnellst­mög­lich – falls noch nicht pas­siert – Scha­den­er­satz­an­sprü­che wegen feh­ler­haf­ter An­la­ge­be­ra­tung prü­fen zu las­sen. „Da­durch steigt die Wahr­schein­lich­keit er­heb­lich, den fi­nan­zi­el­len Scha­den zu be­gren­zen oder die Ver­lus­te zu ver­mei­den.“

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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