Die Seiten gewechselt: Zwei Anlegeranwälte als Bond-Emittenten

Als Anlegeranwälte haben sie schon manche Schlacht gegen Banken und Sparkassen geschlagen, weil die unrealistisch hohe Renditen in Aussicht gestellt oder nicht über Rückvergütungen informiert hatten. Jetzt wollen zwei Anwälte es besser machen – und haben eine eigene Solaranleihe aufgelegt.

Trotz der Probleme, Pannen und Pleiten gibt es noch Solarfirmen, die Anleger für ihre Anleihen suchen. Als Emittentin neu am Markt ist das erst kürzlich gegründete Unternehmen AGS Energy GmbH. Die Besonderheit: Gründer und Geschäftsführer der AGS sind Jan-Henning Ahrens sowie Jens-Peter Gieschen.

Beide sind Partner der nach eigenen Angaben auf die Interessenvertretung von Investoren spezialisierten KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Bremen. Wie das nach seiner Meinung dennoch zusammenpasst, erklärt Gieschen im Interview mit FONDS professionell ONLINE.

Herr Gieschen, verdienen Anwälte, die gegen Vermittler und Berater sowie Fondsinitiatoren klagen, nicht mehr genug Geld?

Jens-Peter Gieschen: Die Kanzlei ist und bleibt unser wirtschaftliches Standbein. Doch irgendwann wollten wir uns nicht immer nur mit den fehlgeschlagenen Anlagemodellen klassischer Anbieter beschäftigen. Es muss doch möglich sein, die drei Hauptziele jedes Anlegers unter einen Hut zu bringen. Nämlich Rendite, Sicherheit und Transparenz. Wir glauben, dass wir dies mit unserem aktuellen Anleihen- Projekt beweisen können.

Warum ausgerechnet eine Firma aus dem Bereich der alternativen Energien, eine Krisenbranche mit etlichen Unternehmenspleiten?

Gieschen: Die alternativen Energien, insbesondere Solar, haben den Vorteil, dass die Anlagebetreiber mit festen und staatlich garantierten Einnahmen rechnen können. Wir kaufen ausschließlich Bestandsanlagen. Wir wissen also, welche Einspeisevergütung in den vergangenen Jahren erwirtschaftet wurde. Für unsere Kalkulation legen wir höchstens 80 Prozent der gutachterlich ermittelten Leistungen zugrunde. Auf dieser Basis errechnet sich die – wie wir denken – ehrliche Rendite von fünf Prozent im Jahr.

Wenn das alles so blendend läuft, wie Sie sagen, benötigen Sie doch eigentlich keine Anleihe für die Finanzierung des Kaufs.

Gieschen: Schuldverschreibungen sind der einfachste Weg, um Anleger an einer Firma zu beteiligen, ohne sie den üblichen wirtschaftlichen Risiken auszusetzen. Bei unserer Anleihe erhalten die Investoren sämtliche Sicherheiten, die bei einer klassischen Bankfinanzierung beim jeweiligen Kreditinstitut liegen. So kommen wir ohne Banken aus, zugleich sind die Anleger komplett abgesichert.

Wobei doch Investoren in den vergangenen Jahren mit solchen unternehmerischen Schuldverschreibungen, oft auch Mittelstandsanleihen genannt, mindestens ein paar Hundert Millionen Euro verloren haben.

Gieschen: Wir treten jetzt den Beweis an, dass man diese Anleihen so konzipieren kann, dass der Investor abgesichert ist. Die Fehler, die bei den früheren Schuldpapieren gemacht wurden, sind doch offensichtlich. Man versprach völlig unrealistische Renditen, so dass man irgendwann dazu gezwungen war, eine Anleihe nach der anderen aufzulegen, um die vorherigen abzulösen. Das machen wir nicht. Überdies lagen die Sicherheiten, etwa die Eigentumsrechte an den Anlagen oder der Anspruch auf die Einspeisevergütung, bei den bisherigen Schuldpapieren bei Banken und anderen Dritten. Bei unserer Anleihe erhalten die Investoren diese Sicherheiten.

Ihre Anleihe hat ein Volumen von nur drei Millionen Euro, die Mindestanlage beträgt 100.000 Euro. Weshalb so wenig, warum so viel?

Gieschen: Wir haben bewusst mit einer kleineren Anlage angefangen, um das Volumen schnell zu platzieren. Wir arbeiten ohne externen Vertrieb. Somit kommt der Verzicht auf die Vertriebskosten letztlich den Anlegern zugute. Überdies sind Photovoltaikanlagen in dieser Größenordnung derzeit gut einzukaufen. Mit der vergleichsweise hohen Mindestzeichnungssumme wollen wir im ersten Schritt solche Investoren erreichen, die über eigenen wirtschaftlichen Sachverstand verfügen und das Potenzial dieser Anleihe erkennen.

Worin unterscheidet sich Ihr Schuldpapier aus Sicht der Investoren von anderen vergleichbaren Anleihen, die von kleineren und mittleren Unternehmen begeben wurden und werden?

Gieschen: Der Unterschied liegt im Sicherheitenkonzept, in den jährlichen Ausschüttungen und den garantierten Einnahmen. Ich kenne keine andere Anleihe, bei der Anleger über einen Treuhänder für den Krisenfall sämtliche Einnahmen und Eigentumsrechte abgetreten bekommen. Wie gesagt, wir rechnen sehr konservativ mit nur 80 Prozent der Leistung. Diese sind dann zusätzlich durch eine sogenannte All-Gefahren-Versicherung abgesichert.

Wegen der hohen Mindestinvestition brauchen Sie keine Bafin-Genehmigung. Das könnte man auch als einen Warnhinweis für Investoren betrachten.

Gieschen: Um das noch einmal deutlich zu machen: Die erste Anleihe wendet sich an Investoren, denen wir wegen des hohen Mindestanlagebetrags wirtschaftlichen Sachverstand unterstellen. Einigen Anlegernwar das Volumen übrigens zu niedrig. Sie wollten mindestens fünf Millionen und mehr investieren. Für diese legen wir nun ein eigenes Projekt auf.

Das heißt, Sie werden noch weitere Anleihen emittieren?

Gieschen: Beim Folgeprojekt wird es eine geringere Mindestanlage geben, ebenso einen Bafin-geprüften Prospekt. Insgesamt haben wir uns Anlagen im Wert von rund 30 Millionen gesichert. Überdies holen wir uns weitere Partner ins Boot, um insbesondere den ökologischen Aspekt dieser Anlageform stärkerherauszustellen. Wir wollen zeigen, dass man trotz Pleiten wie bei Prokon sowie Solar Millennium mit Ökostrom Geld verdienen kann.

Sie verklagen unzählige Banken und Sparkassen, weil die ihre Kunden bei der Vermittlung von geschlossenen Beteiligungen nicht über die erhaltenen Kick-backs informiert haben. Wie hoch sind denn jene Rückvergütungen bei Ihnen?

Gieschen: Es gibt keine. Sämtliche Kosten und Geldflüsse sind im Prospekt dargestellt. Außerdem schalten wir keine externen Vertriebe ein. Es gibt also keinen Anreiz für Kick-backs. Selbstverständlich verdienen auch wir Geld. Im Wesentlichen aber erst dann, wenn die Anleihen an die Anleger bereits vollständig zurückgezahlt sind.