Aktienanleihen

Aktienanleihen erleben seit dem Jahr 2009 eine Renaissance. Nach Angaben des Handelsblatts wird immer mehr Kapital in Aktienanleihen investiert. Während es im Dezember 2008 rund 8.500 Aktienanleihen gab, bezogen auf Dax-Werte als Basiswert, habe sich die Zahl der angebotenen Produkte demnach bereits ein Jahr später mit 28.600 mehr als verdreifacht.

Bei einer Aktienanleihe (auch Aktienandienungsanleihe) handelt es sich um ein strukturiertes Finanzprodukt. Ihr wichtigstes Ausstattungsmerkmal ist das Wahlrecht des Emittenten, dem Anleger am Ende der Laufzeit entweder den Nominalbetrag  der Anleihe zu 100 Prozent zurückzuzahlen oder ihm eine bestimmte Anzahl an - vorher festgelegten - Aktien zu liefern. Der Anleger erhält während der Laufzeit eine oder mehrere Zinszahlungen, den sogenannten Kuponzahlungen.

Ein Beispiel:

Ein Kunde (K) kauft zehn Stück der als Zertifikat ausgestalteten Aktienanleihe über den Emittenten (E) am 1. 1. 2011. Basiswert ist die A-Aktie, die zum Zeitpunkt des Kaufs bei einem Kurs von 100 EUR steht. K erwirbt die Zertifikate zu einem Nennwert von insgesamt 1.000 EUR bei einem Kurs der Aktienanleihe von 100 Prozent und einem jährlichen Zinskupon von zehn Prozent. Die Laufzeit beträgt ein Jahr. Der Emittent hat das Recht, dem Kunden am Ende der Laufzeit Aktien in einem zuvor festgelegten Verhältnis zu liefern. Der Kunde soll bei einem Nennwert der Aktienanleihe von 1.000 EUR für diesen Fall zehn A-Aktien erhalten. Zinsen soll er in jedem Fall erhalten.

Bei AnschaffungBei Fälligkeit
Kurs A-Aktie100 €100 €
Kurs Zertifikat100%100%
Stück1010
Nennwert1000 €1000 €
Buchwert1000 €1000 €
Koupon 10%100 €
Ausgabe / Einnahme1100 €
Gewinn / Verlust+100 €

K zahlt bei Anschaffung 1.000 EUR. Der E hat bei Fälligkeit das Recht, 10 Aktien zu liefern oder dem K 1.000 EUR zurückzuzahlen. Unabhängig davon erhält der K Zinsen in Höhe von 100 EUR. Vor Steuern macht K damit einen Gewinn in Höhe von 100 EUR. Der Aufwand des E beschränkt sich auf die zuvor festgelegte Zinszahlung. 

Bei AnschaffungBei Fälligkeit
Kurs A-Aktie100 €200 €
Kurs Zertifikat100%100%
Stück1010
Nennwert1000 €1000 €
Buchwert1000 €2000 €
Koupon 10%100 €
Ausgabe / Einnahme1000 €1100 €
Gewinn / Verlust+100 €

K zahlt bei Anschaffung 1.000 EUR. Da es für E teurer wäre, 10 Aktien zum Buchwert von 200 EUR zu beschaffen, zahlt E dem K 1.000 EUR zurück. Der K partizipiert somit nicht an der Kurssteigerung der A-Aktie. Er steht so, als hätte der Aktienkurs am Ende der Laufzeit noch bei 100 EUR notiert. E trägt faktisch kein Risiko. Sein Aufwand beschränkt sich auf die Zinszahlungen in Höhe von 100 EUR. 

Bei AnschaffungBei Fälligkeit
Kurs A-Aktie100 €50 €
Kurs Zertifikat100%100%
Stück1010
Nennwert1000 €1000 €
Buchwert1000 €500 €
Koupon 10%100 €
Ausgabe / Einnahme1000 €600 €
Gewinn / Verlust-400 €

Dem K werden bei Fälligkeit nach dem Wahlrecht des E 10 Aktien im Wert von jeweils 50 EUR geliefert. Der Wert der Aktien beläuft sich auf 500 EUR. Würde K seine Aktien dann verkaufen, würde er einen Verlust von 500 EUR realisieren. Dieser Verlust wird gemindert durch die Zinszahlung über 100 EUR, die er bei Fälligkeit erhält.

E trägt kein Risiko. Im Gegenteil, er profitiert; er muss Aktien im Wert von 500 EUR beschaffen und kann die von K gezahlten 1.000 EUR einbehalten. Sein Aufwand ist lediglich auf die Zinszahlung in Höhe von 100 EUR begrenzt. 

Sofern E zahlungsunfähig werden sollte, ist für K weder die Rückzahlung noch die Zinszahlung sicher. Man spricht vom sogenannten Emittentenrisiko. K erleidet einen Totalverlust in Bezug auf das eingesetzte Kapital. 

Fazit:

Die Ak­ti­en­an­lei­he birgt für Kun­den er­heb­li­che Ri­si­ken. Darauf soll­te bei einer Be­ra­tung hin­ge­wie­sen wer­den. So ist schon bei An­schaf­fung nicht si­cher, ob der Kunde sein ein­ge­setz­tes Ka­pi­tal zu­rück er­hält. Die Ku­pon­zah­lung soll­te der An­le­ger - mit Aus­nah­me der Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Emit­ten­ten - in jedem Fall er­hal­ten.

Blei­ben Kuponzahlungen aus, insbesondere wenn das wiederholt passiert, be­steht An­lass zur Prü­fung der Sach- und Rechts­la­ge.

In der letz­ten Zeit häu­fen sich bereits An­fra­gen von Man­dan­ten, die fest­stel­len müs­sen, dass Zins­zah­lun­gen zum an­ge­kün­dig­ten Ter­min nicht er­fol­gen beziehungsweise wie­der­holt aus­blei­ben oder die Rück­zah­lung auf­grund eines in Schief­la­ge ge­ra­te­nen Emit­ten­ten in Ge­fahr ist.

An­le­ger soll­ten deshalb unbedingt Rat bei einem fach­kun­di­gen Rechts­an­walt ein­ho­len, ins­be­son­de­re dann, wenn Sie das Prin­zip einer Ak­ti­en­an­lei­he bei der Be­ra­tung nicht ver­stan­den haben oder sie hin­sicht­lich der ge­gen­über dem An­la­ge­be­ra­ter dar­ge­leg­ten Ziel­vor­stel­lun­gen falsch be­ra­ten wur­den.

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Die Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle warnt vor einem Platzen der Anleihenblase. Dies hätte dramatische Folgen für Anleger, die diesbezüglich auf drei Faktoren achten sollten.

Erschienen auf CASH Online am 31. 1. 2017 / 09:38 h

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