Immobilienfonds

Turbulente Gläubigerversammlung bei Securenta AG

Pressemitteilung vom 25.3.2008

Gläubiger müssen Forderungen bis Ende März anmelden

Bremen, Hamburg, Göttingen. Die insolvente Securenta AG verfügt lediglich noch über knapp eine Million Euro an Bankguthaben. Das wurde der Gläubigerversammlung am Dienstag (25. 3. 2008) in Göttingen mitgeteilt. Nach Angaben der auf Kapitalanlagerecht spezialisierte Kanzlei KWAG in Bremen wird sich die Summe auch durch den geplanten Verkauf von Immobilien nur um etwa zwei bis drei Millionen Euro erhöhen, da die meisten Objekte hoch belastet sind. Auch sollen die Securenta-Anleger im Verfahren als so genannte nachrangige Gläubiger behandelt werden, mit dem Risiko, am Ende leer auszugehen. KWAG - Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens: ?Damit zeigt sich wieder, die Initiatoren haben profitiert und die Anleger sind die Dummen.? Anlegervertreter forderten auf der Versammlung die Ablösung des Verwalters. KWAG vertritt einige Hundert Anleger der Securenta AG beziehungsweise der Göttinger Gruppe. Die Gläubigerversammlung wurde nach turbulentem Verlauf am frühen Nachmittag auf den 13. Mai 2008 vertagt.

Die Securenta-Pleite gilt als größter Finanzskandal in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Das zur sogenannten Göttinger Gruppe gehörende Unternehmen soll Anfang der neunziger Jahre bei fast 100.000 Sparern eine Anlagesumme von umgerechnet rund einer Milliarde Euro eingesammelt haben. Die Göttinger Gruppe war seinerzeit bundesweit größter Anbieter von staatlich geförderten, so genannten atypischen stillen Beteiligungen. Die Unternehmensbeteiligungen wurden mit blumigen Versprechungen vor allem als sichere Altersvorsorge und Steuersparmodell mit hohen Renditen angepriesen. Das Engagement auf dem grauen Kapitalmarkt brachte den Anlegern aber häufig nur Verluste. Ahrens: ?Obendrein besteht noch jetzt noch das Risiko, dass das Finanzamt die Steuervorteile zurückverlangt.?

An der Gläubigerversammlung in Göttingen nahmen rund 50 Anleger beziehungsweise Anlegervertreter teil. Der Insolvenzverwalter der Securenta AG, der Hamburger Steuerberater Peter Knöpfel, legte einen 70seitigen Bericht vor. Seiner Meinung nach wird das Verfahren mindestens noch sieben bis zehn Jahre dauern. Knöpfel gab nach Angaben von KWAG an, die Bilanzen der Jahre 2002 bis 2004 angefochten zu haben, um die Verantwortlichen in den Wirtschaftsprüfungskanzleien, die die Abschlüsse testiert hatten, in Regress nehmen zu können. Die ?wahren Verantwortlichen? lassen sich nach Knöpfels Auffassung nicht mehr in Anspruch nehmen, da sie allesamt eidesstattliche Versicherungen abgegeben hätten.

Rechtsanwalt Ahrens: ?Wir werden jetzt umgehend feststellen, inwieweit die einzelnen Gläubiger auch die Möglichkeit haben, Schadenersatz von den Wirtschaftsprüfern zu verlangen.? Außerdem werde geprüft, ob Ansprüche wegen fehlerhafter Beratung gegen den Vertrieb und Berater bestehen.

Auf der Gläubigerversammlung im Göttinger Landgericht war es zu turbulenten Szenen gekommen. Anlegervertreter hatten die Absetzung des Insolvenzverwalters verlangt, weil Knöpfel die Anleger im Verfahren schlechter stellen will, als beispielsweise die kreditgebenden Banken. Ahrens: ?Damit würde die Mehrheit der Anleger erheblich benachteiligt oder am Ende sogar leer ausgehen, weil aus dem Insolvenzvermögen zunächst die vorrangigen Gläubiger befriedigt werden.?

Auch herrschte Unklarheit über die Stimmrechtsverhältnisse, da dem Gericht keine Listen vorlagen, nach denen den einzelnen Gläubigervertretern eine genaue Stimmenzahl einschließlich der Forderungshöhe zugeordnet werden konnte. Deshalb wurden in einer langwierigen Befragung durch den Insolvenzrichter die entsprechenden Daten bei allen Anwesenden mündlich erhoben. Nach einer vorläufigen Auswertung konnte das Gericht dann kein eindeutiges Ergebnis feststellen und vertagte deshalb eine abschließende Entscheidung über die weitere Bestellung des Insolvenzverwalters.

Später hatten die Vertreter der Deutschen Bank und des Finanzamtes sowie Vertreter von Gläubiger sich gegenseitig das Stimmrecht auf der Versammlung bestritten. Darüber muss nun das Gericht bis Mitte Mai entscheiden. Nach einem Befangenheitsantrag gegen den Insolvenzrichter wurde die Sitzung unterbrochen.

Im Sommer 2007 war ein Insolvenzantrag für die Securenta AG und die Tochtergesellschaften eingereicht worden. Das Unternehmen hatte am Tag nach Einleitung des Insolvenzverfahrens durch das Amtsgericht Göttingen dann noch selbst Insolvenzantrag in Berlin gestellt.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt bereits seit Monaten gegen die Göttinger Gruppe wegen Insolvenzverschleppung, außerdem sind Verfahren gegen Verantwortliche des Finanzkonzerns wegen Betrugs und Anlagenbetrugs eingeleitet worden.

KWAG-Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens rät allen Betroffenen, umgehend Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden. Dazu sei nur noch bis zum 31. März 2008 Zeit.

jha/kg 25. 3. 2008

 

 
 
 
 

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