Schiffsfonds

Fragwürdiges Sanierungskonzept für den Nordcapital Schiffsfonds Bulker Flotte I

Die 5650  Anleger des Bulker Flottenfonds I des Emissionshauses Nordcapital müssen um ihre angelegten Gelder bangen. Die Deutsche Bank als Hauptvertriebspartner hatte in den Jahren 2008 und 2009 rund 170 Mio. Eigenkapital bei Anlegern eingesammelt. Mit diesen Geldern erwarb der Fonds insgesamt 9 Schiffe.

Prospektgemäß wurden 7 von 9 Schiffen langfristig an die Korea Line Corporation (KLC) aus Süd-Korea verchartert. KLC hat in 6 der 7 vergangenen Quartale Verluste ausgewiesen und seit Januar dieses Jahres die Charterzahlungen eingestellt, wodurch dem Fonds insgesamt 49 Millionen US-Dollar an Einnahmen fehlen.

Zwischenzeitlich hat KLC Gläubigerschutz beantragt; sollte diesem Antrag durch den „Central District Court“ in Seoul stattgegeben werden, wäre mit einer Vertragserfüllung durch die KLC wohl nicht mehr zu rechnen.

Im Rahmen eines Sanierungskonzeptes, mit welchem sich die Fondsgesellschaft an die Anleger gewandt hat, wurden von diesen Nachschüsse in Höhe von 30,6 Millionen US-Dollar verlangt. Da nach zweimaliger Fristverlängerung jedoch lediglich ein Betrag von knapp 21 Millionen US-Dollar zugesagt war, soll nunmehr den Anlegern kurzfristig ein neuerliches Sanierungskonzept vorgelegt werden. Dieses soll auch eine Darlehensstellung durch die Deutsche Bank vorsehen, welche den Exklusivvertrieb für die Fondsanteile übernommen hatte. Auch dieses Sanierungskonzept soll allerdings den Verkauf eines noch nicht ausgelieferten Neubaus vorsehen, bei dem die Anleger weitere 17 Mio. US-Dollar Anzahlungen verlieren würden.

Inzwischen befinden sich einige Schiffsfonds bereits in der zweiten Sanierungsphase, nachdem ein erstes Sanierungskonzept aus den Jahren 2008/2009 nun ausläuft. Banken, die bisher im Rahmen der Sanierungen Zins- und Tilgungsaussetzungen zugestimmt haben, setzen nun verstärkt auf den Verkauf der Schiffe.

Vor diesem Hintergrund ist das jetzt vorgeschlagene Sanierungskonzept auch in diesem Fall mehr als fragwürdig. Anleger des Fonds haben bessere Alternativen, um ohne Verluste aus dieser Beteiligung auszusteigen. KWAG-Partner und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Jan-Henning Ahrens: „Wir wissen aus den Erfahrungen auch mit anderen Fonds um die Beratungsqualität der  Deutschen Bank. Auch im vorliegenden Fall ist keiner unserer Mandanten bei den „Verkaufsgesprächen“ auf das besondere Klumpenrisiko hingewiesen worden, das sich durch die Vercharterung von 7 Schiffen an die gleiche Gesellschaft ergibt. Im Gegenteil, dies wurde häufig sogar als Vorteil dargestellt.  Ein Hinweis hierauf fehlt in den Verkaufsprospekten. Allein dies reicht aus, um nach der inzwischen gefestigten BGH-Rechtsprechung Schadensersatzansprüche der Anleger zu begründen.“

Ahrens rät allen  Anlegern des betroffenen Fonds, mögliche Schadensersatzansprüche gegen die Fondsinitiatoren bzw. auch die vertreibende Bank prüfen zu lassen, bevor Sanierungskonzepten zugestimmt wird, die am Ende häufig nur der schiffsfinanzierenden Bank nutzen.

 
 
 
 

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